Ode an die Freundschaft

Ich möchte eine kurze Ode an die Freundschaft aussprechen. In Zeiten großer (Medien-)Panik finde ich es so schön, dass man

In Sao Jose nicht mehr in einen vollbesetzen Bus wie beabsichtigt passt.

3 Stunden warten muss.

Den nächsten Bus nach Paraty nimmt.

Die Leute im Sitz hintendran kennenlernt.

Deren Hostel in Paraty voll ist (vermutlich, weil es eine Bootsfahrt umsonst bei 3 Übernachtungen) und sie mit in mein Hostel kommen

Man geht aus, ich stelle verblüfft fest, wie intelligent und witzig auch andere Menschen sein können.

Man lernt an drei Tagen zusamen Kultur und Inseln kennen, Spanisch, Portugiesisch, Mensch sein.

Auch nüchtern lacht, bis man sich in die Hose macht.

Und das beste: bei den richtig coolen Leuten ist es egal, wenn Du 10 Jahre älter bist. Oder jünger.

Sie sind einfach offen, neugierig und lebensfroh.

Macht schon alles Sinn so.

Deutschland, Spanien, Brasilien; Journalist, Architekt, Psychologin: Was sollte bei der Kombi schief gehen?

Deutschland, Spanien, Brasilien; Journalist, Architekt, Psychologin: Was sollte bei der Kombi schief gehen?

 

Und, wenn man eine Freundschaft doch mal begraben muss?

Schöner Friedhof hier in Paraty, mit Meerblick!

Freidhof Paraty klein

 

 

 

Hochprozentige Strandidylle

Rund um Paraty gibt es Inseln ohne Ende. Ich verlängere meinen dortigen Aufenthalt -es ist zu schön- und mit dem Bus geht es eine Stunde zu einigen Inseln. In Spanisch-brasilianisch-deutscher Kombination setzen über. Die Strandbar mit Caipirinhas lacht uns bereits aus der Ferne an, sie schreien „nimm mich, nimm mich.“ So lässt sich der Caiphi-Kater von der Nacht zuvor hervorragend bekämpfen. In guter deutscher Manier war ich früher als in die anderen zum Ausflug bereit, wartete eine halbe Stunde auf die Freund und leide etwas.  Die dagegen haben eine halbe Stunde länger ausgeschlafen und letztlich habe wir den Bus doch noch bekommen. Vielleicht ist die deutsche Pünktlichkeit doch nicht so klug wie wir denken. Aber abends in den Gassen ist das Ausgehen schon toll und wenn an den Strandbars die Gitarren und DJs erklingen, schmecken die Caiphis sehr lecker- ich meine, da muss man doch mitmachen?? Dabei ist es durchaus erstaunlich, welchen portugiesischen Wortschatz die Caipirinhas zu Tage befördern. Ich lalle fast perfektes Portugiesisch. Besser als nach drei Monaten Volkshochschule!

Und jetzt haben wir einen Strand für uns alleine. Zum Ausruhen. Fotosessions inklusive.

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Flussotter

Flussotter

Die Strandbar wartet

Die Strandbar wartet

Ich liebe diese Bergketten im Hintergrund

Ich liebe diese Bergketten im Hintergrund

Nathalia

Nathalia

 

Paraty: Stöckelschuhe unerwünscht

Pitoresker geht kaum: Die Kirche für die Schwarzen von der anderen Uferseite.

Pittoresker geht’s kaum: Die Kirche für die Schwarzen von der anderen Uferseite.

Paraty war wohl irgendwann mal reich. Als die Stadt neben Rio der Haupthafen für die Goldlieferungen aus dem Landesinneren war. Heute schafft Paraty das seltene Phänomen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tourismus und Charme zu finden, Die Altstadt ist wie sie schöner kaum sein kann. Eine Bänderdehnung holt man sich bei den Riesenquadersteinen auf den Straßen schnell, sie ist es wert. Die Steine kamen wohl aus Portugal und halfen ursprünglich beim Beschweren der Segelschiffe, wenn diese das Gold abholten. Ob’s stimmt? Wen man beim deutschen Google „Schiffe beschweren“ eingibt, kommt natürlich nur „Bürger beschweren sich über Schiffverkehr“ und so ein Kram. Wie soll’s anders sein.

Die Restaurants und Geschäfte in Paraty sind derart liebevoll gestaltet, jeder Besitzer hat sich selbst verwirklicht und das geschmackvoll. Mag einer Sonnenblumen, ist alles im Sonnenblumenstyle hergerichtet u.s.w. Am Meer mit tollsten Stränden gelegen, mit Aussicht auf vielerlei Inseln und im Hintergrund die nebelverhangenen begrünten Berge, ist das traumhaft.

In Paraty gibt es eine Kirche für Weiße, für Mischlinge und Schwarze bzw. Sklaven. Also, in ihrer früheren Bedeutung, Lustigerweise ist die Sklavenkirche heute das Postkartenmotiv. Davor steht ein Schwarzer mit Strick um den Hals stramm, still aber lebendig. So wie bei uns diese silber-lackierten Menschen in der Fußgängerzone auf den Podesten, die sich nur alle 5 Minuten bewegen. Oder, wenn sie aufs Klo müssen oder von Kindern mit Steinen beschmissen werden.

Der Steinsteg am Strand,

Der Steinsteg am Strand,

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Bunte Fenster und Türen gehören zum guten Ton.

Farbenfrohe Fenster und Türen gehören zum guten Ton.

Das ist auf jeden Fall nicht in der Sklavenkirche.

Das ist auf jeden Fall nicht in der Sklavenkirche.

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Die Pflastersteine, kamen damals angeblich aus Portugal.

Die Pflastersteine, kamen damals angeblich aus Portugal.

 

 

 

Mit Mickey und Maschinengewehr nach Paraty

München-Frankfurt-Barcelona-Sao Paulo-Sao-Jose dois Campos-Paraty: So die Stationen der 36-stündigen Anreise. Wenn man bedenkt, dass der einzige Ausfall dabei der MVV-Bus in München war, ist der deutsche Nahverkehr wohl doch überschätzt.

Flieger (2)

In Barcelona ging es sogar in einen Walt Disney-Flieger. Eigentlich eine Frechheit, dass man Werbung für ein solch wertkonservatives Unternehmen fliegen muss. Aber man muss oder bleibt stehen, das weiß ich jetzt. Angekommen um 4:30 Uhr früh in Sao Paulo hat das den Vorteil, dass alle müde, aber entspannt sind. In Sao Paulo ist gerade Winter, die Leute laufen rum wie beim Apres Ski. Es sind ja nur 14 Grad. Da könnten wir in Deutschland ja gleich das ganze Jahr im Skioverall rumstolzieren.

Den Bus nach Sao Jose dois Campos fand ich schnell, die Stadt glänzte rund um den Busbahnhof mit vielen Schönheitssalons, die offenbar keiner der Bewohner besuchte. So ging es in den Bus nach Paratiy. 5 Kilometer vor dem Ziel stürmte leider die Polizei, bewaffnet bis zu den Zähnen, den Bus. Ich dachte, die suchen Pokemons wie alle zur Zeit. Dem war aber nicht so aufgrund eines Riesenproblems: In Brasilien gibt es noch kein Pokemon Go. Nachdem ich meine rührselige Geschichte vom billigeren Flug nach Sao Paulo statt Rio und engagierter Olympias-Arbeit in Zeichen des Weltfriedens erzählt hatte, wars leidlich ok.

Wagen Brasil klein

Paraty, eine kleinere Stadt zwischen Sao Paulo und Rio gelegen, ist übrigens ein Knaller. Der Wagen mit der Flagge ist aber in Sao Jose aufgenommen.

Iguazu: Wo die wilden Bäche rauschen

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„Where are your from?“ schallt es düster durchs Taxi-Autofenster- und schon wieder ne Knarre vor der Nase. Ich denke es war eine Taurus PT 911 9 mm, kenne mich da inzwischen ein wenig aus. Wenn die brasilianische Security Paramilitär spielt und Touristen empfängt hat das nur bedingt Charme. Ich meine: Wie schnell ist der Typ ausgerutscht –peng- und mein Kadaver wird zwischen ausgepressten Caipirinha-Limetten und Windeln in einem Hinterhof-Müllcontainer in Foz do Iguazu entsorgt? Ich meine echt, wie schnell ist sowas passiert?

Auf jeden Fall hatte ich mich entschlossen, die Iguazu-Wasserfälle des gleichnamigen Flusses doch noch mal von der brasilianischen Seite anzuschauen. Wenn man schon mal da ist. Wie breit gefächert sie sind, dass realisiert man von der argentinischen Seite kaum. Deren Besuch ist jedoch –müsste ich wählen- vorziehen würde. Dort ist man mehr „in“ den Wasserfällen, von Brasilien aus mehr Betrachter. Die größte Gefahr dort: Erblindung durch unkontrolliert umherschlagende Selfie-Stickstangen fotogeiler Brasilianer.

 

 

Lass es regnen, Paulo

Kaum in Sao Paulo angekommen, musste ich gleich ein TV-Interview geben. Da hatten mich die Paparazzi wieder mal erwischt, es ging irgendwie um Hotels und Fußball-WM. Der Fernsehmann sagte, ich war großartig. Was soll er sonst auch sagen? In Sao Paulo ist alles irgendwie anders als bisher. Das fängt an bei den beschrifteten Bushaltestellen. Neulich hielt sogar ein Auto am Zebrastreifen. Hier gibt es wirklich Menschen die denen in den Telenovelas ähnlich sehen. Badeschlappen und Shorts sind out, man macht sich ein wenig schick und  läuft mindestens 1 Stundenkilometer schneller. Und entgegen ihrem Ruf sind die Leute wahnsinnig freundlich und scheinen sich echt zu freuen, wenn man ihre Stadt besucht.

Sehr schön fand ich das Begrüßungsritual vom Heiligen Paul für mich. Er ließ es monsunartig und unaufhörlich regnen. Deshalb konnte ich leider nicht auf die Aussichtsplattform des Edificio Martinelli. So wechselte ich stündlich die Kleidung, stellte mich mit Seife raus auf die Straße und hatte in einem halben Tag meine ganze Wäsche gewaschen. Außerdem war in der Stadt wohl gerade der nationale Kongress der Obdachlosen. Die Plätze und  Parks in der Innenstadt sind quasi nicht zu besuchen, Penner und Polizei besetzen sie bereits. Etwas groß und voll ist es hier schon, aber ich würde jederzeit wiederkommen.

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Olé, Olé, Olée

Hier macht Pele macht hier keine Werbung für Impotenz sondern ist Sportler und auch die Choreografien des BVB-Fanblocks werden gewürdigt. Das Fußballmuseum in Sao Paulo huldigt den (brasilianischen) Fußball und liegt unter den Tribünen des ehrwürdigen WM-Stadions von 1950, „Estádio do Pacaembu“. Dort spielen die Vereine Corinthians und Palmeiras. Das Museum erzählt Brasiliens Fußballgeschichte von Anfang an und ist ein ziemlicher Traum. Ich habe selten ein Museum gesehen, in dem so viel Liebe steckt, bis hin ins kleinste Detail. Sehr emotional sind alten Radio- und TV-Aufzeichnungen und die Installation mit Fan-Gesängen unter den Betonpfeilern des Stadions. Stolz ist man immer noch auf den letzten WM-Titel gegen Deutschland. Ich glaube, hier wissen mehr Leute, dass Deutschland 2002 im Finale stand als zu Hause. Naja, war ja auch eher eine glückliche Fügung. Auf jeden Fall ein Super-Museum und gratis, vielleicht sollten die Herren der Bayern-Welt hier mal einen Blick reinwerfen.

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Happy Hippie, happy End

Lencois und die Chapada Diamantina waren auf jeden Fall ein Gipfel des Vergnügens. Die Leute unglaublich freundlich und die Stimmung in der Stadt befreit-friedlich. Sehr hippiemäßig alles, bereits die Kinder krabbeln mit Dreadlocks und kiffend durch die Straßen. Kleinkünstler rennen abends mit Feuer und auf Stelzen in den Steingassen und die Natur ist sowieso eine Show. Aber wenn es am Schönsten ist, sollte man gehen. Drum nehme ich den Nachtbus nach Salvador, der Odeur des Busklos wird mich wieder in die Realität zurückholen.

Das schaffte auch schon der Preis für ein 5-er Päckchen Tempo, ein Euro bezahlte ich. Denn Tempos sind Luxus, man schneuzt’s einfach weg. Mache ich jetzt auch bzw. ich übe noch. Bei glücklicher Fügung landet der Rotz auf dem Hemd des Hintermanns. Wenn’s schlecht läuft, hängt er mir drei Stunden im Bart.

Jetzt geht es nach Sao Paulo. Auch wenn es nur eine Stippvisite sein wird, freue ich mit -durchaus mit Respekt- auf die größte Stadt Südamerikas. Das schöne Rio überspringe ich etwas widerwillig, aber da war ich letztes Mal schon ausgiebig, Summa Summarum: Ihr seid von den Bergbildern erlöst.

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Von kletternden Schlossherren und Burgfräuleins

In der Gruppe ist alles eitel Sonnenschein, aber Regen gibt es zu Hauf. Vor allem nachts und morgens, was sehr nass bis ziemlich mystisch ist. Während des steilen Aufstiegs auf den „Castelo“, der Berg soll wohl an eine Burg oder Schloss erinnern, bin ich randvoll mit Hass und Flüchen. Oben an der Höhle angekommen relativ glücklich. Mit Aussicht statt Nebelwand wäre es allerdings besser – wozu geht man sonst den Scheiß-Berg hoch? Dann laufen wir ein Stück weiter, wir krabbeln über Stock und Stein, und es kommt DIE sonnige Aussicht über das Vale (Tal) de Pati. Am Schluss wird das Gröbste des Mega-Drecks auf den Kleidern ganz waschfrauenmäßig am Fluss gereinigt und abends folgt eine Art Mumienschieben mit jüngeren Leuten. Eine „Band“ spielt den recht monotonen Forro mit Gitarre, Quetschkommode und Triangel und man tanzt dazu. Man kann hoppeln wie ein Hase oder Schlurfen wie ein Schlafwandler – die Hauptsache ist, die Tanzpartner reiben sich eng aneinander. Das sorgt für einen schönen abendlichen Höhepunkt und gelingt umso besser unter dem Einfluss von Cachaca-Schnaps (Zuckerrohr).

Lustig ist das Wandererleben

So starteten sie dann, die lustigen 8 Wandersleut in das Mittelgebirge Chapada Diamantina. Drei wunderbare deutsche Mädels, die einen in bester Manier an „Sex and the City“ erinnerten (inklusive Carries verzweifelter Rauchversuche), zwei Franzosen, ein Brasilianer den man „The Body“ nennen möchte und eine Esoterikbraut aus Rio. Die meditierte bereits auf dem ersten Bergplateau und murmelte Laute der Erdbewegung. Was ähnlich einem unruhigen Magen klingt. Die höheren Mächte beförderten sie allerdings dennoch später in ein Erdloch. Ähnliches blieb aber kaum einem von uns im Laufe der Tage erspart – mir sowieso nicht. Zwei sehr nette Führer mit Künstlernamen aus der Bhudda-Welt passten auf uns auf. Die Landschaft mit den Tafelbergen ist umwerfend, ich bin aufwärts weiterhin keine Bergziege und die Posada war sehr ordentlich. Statt Wölfen heulte nachts eine einzelne Katze unvorstellbar laut den Mond in den Bergen an.

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