Betäubt durchs Volcano-Gebirge

Von Feuer keine Spur: Die Volcano-Berge bei Samaipata heißen nur wegen ihres Aussehens so. In Bolivien gibt es eigentlich keine Vulkane, nur im Grenzgebiet zu Chile. Es ist eine wunderschöne Wanderung durch die Vegetationszonen. Berg rauf und runter, durch den Wald schlagen, Baden, Barfuß im und am Fluss wandern, dessen Wasser nie höher als bis zur Hüfte geht. Alles sehr paradiesisch mit einem Hauch Indiana Jones. Riesenschmetterlinge, Kondor und Geier umkreisen uns. Am Schluss ab ins Naturschwimmbad, von den Steinen Arschbombe machen und die Steinstufen runtertreiben lassen. Immer in der Backe: Coca Blätter. Blätter falten, ein weißes Pulver dazu und eine Knetmasse. Dann wird das zu einem halbwegs leckeren Kaugummi, welches das Zahnfleisch betäubt. Bereit fuer den Zahnarzt. Zugleich wirkt es belebend -ich fliege die Berge hoch-, wohltuend auf den Magen und ist gut gegen Höhenprobleme. Das Weiße Pulver ist übrigens „Kaliumpermagnat“ o. ä und wirkt wie Zucker.

 

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Das Inka-Wetter morgen: wechselhaft

Die Inkas hatten vier große Beobachtungs- und Heiligenstätten erzählt der Guide. Machu Picchu, Tawainaku (bei La Paz), in Cochobamba und „El Fuerte“ (Der Starke), hier in Samaipata. Genausgenommen waren die Inkas nur einen Bruchteil der Existenz dieser Stätte hier (1450-1550), wird wegen des Namens als solche vermarktet. Lange Zeit vorher (ab 400 nch Chr.) waren unter anderem Stämme aus Amazonien an diesem Ort, die Inka haben es dann quasi weiterentwickelt.Am Schluss suchten die Spanier verzweifelt nach Gold. El Fuerte ist eine langgezogene Steinplatte (220 x 65 Meter breit), auf der die Heiligenhandlungen stattfanden –typische Opferhandlungen wie Tier verbrennen gab es bei den Inkas übrigens eher nicht. Ich sehe die Eingangstüren zu den Behausungen wichtiger Inkaoberhäupter, ein paar Steinskulpturen. Denn Sonnenkalender stellen wir uns vor und den Rest der Anlage gleich mit. Erst ein Bruchteil der Anlage ist ausgegraben. Eigentlicher Star des Tages: die Wetterkapriolen im Umland mit Unwetter in der Ferne, Sonne, Lichtspielen und Regenbogen.

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Nationalpark Amboro: Von Stacheldraht und Ameisenpisse

Beim Abstecher in den Nationalpark Amboro sind die Riesenfarne die Attraktion. Sie wachsen 1 (einen) Zentimeter im Jahr, bei 10 Metern Höhe, bis 15 Meter sind moeglich, sind sie also, äh, uralt. Wie immer lernt man viel über Pflanzen und ich merke mir wenig. Bei über 60 % Luftfeuchtigkeit ist der Marsch eine Rutschpartie. Der eigentliche Höhepunkt folgt am Stacheldrahtzaun am Parkausgang. Wir tanzen Limbo unter dem Zaun hindurch, eine der Maries tritt in einen Ameisenhaufen, die überfallen sie wie eine wildgewordene Horde Hunnen. Unser Führer Carlos nimmt zur gleichen Zeit den Weg über den Zaun, ein Ast bricht ab und er hängt in Baum und Stacheldrahtzaun, seine Hose reißt im Zeitlupentempo. Währenddessen führt Marie Kriegstänze bei Ameisen-Angstgejohle auf und Carlos schreit immer, „die machen nix“. Die eine leicht zerbissen, der andere mit in Fetzen runterhängender Hose, machen wir uns auf den Heimweg.

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Samaipata: Hippie-Oase im Grünen

Die Aussicht von vom Hostel ist Klasse: Samaipata ist ein Städtchen wie gemalt auf 1700 Metern Höhe, rund 120 km oder 3 Stunden von Santa Cruz. Ein bisschen rausgeputzt, mit den klassischen Kleinstadtstrukturen, Kirche, Hauptplatz, Markt, will man am Tourismus teilhaben und ist bei Hippies gerne gesehen.  Tourenangebote gibt es im Übermaß-theoretisch-, die meisten Touren finden mangels Nachfrage aber nicht statt. Alles sehr relaxt und entspannt. Ich trinke erstmal im Leben bolivianischen Rotwein („Kohlberg“), der recht schwer ist. Nachdem ich Nachschub gekauft habe, weil ich eine Flasche zerschlug –welche Schande-, sitze ich mit Kanadierinnen namens Marie&Marie auf der Hostelterrasse der Stadt und darf mich nicht beklagen. Hier ist es sehr undurchsichtig, wo es was zu kaufen gibt. Wir fragen uns nach einem Empanada-Laden durch. Die Haustüren, ähnlich wie bei Pferdeboxen, steht offen und man muss in die Geschäfte reinrufen, bei der Vermutung, dass es das Gewünschte gibt.  Die sehr freundlichen Empanada-Experten bereiten ihre Produkte frisch zu und  gespeist wird in einem kahlen Steinraum, der einem Verließ ähnelt. Nicht klassisch schoen, aber beeindruckend.

Botanischer Segen in Cotoca

Wallfahrt nach Cotoca im Sammeltaxi, um wöchentliche Portion Heiligkeit abzuholen. Hier hat die Jungfrau von von Cotoca ihr Lager aufgeschlagen und laesst sich verehren. Ansonsten ist Cotoca eine recht hübsche, kleine Stadt. Die Hauptplätze vor der Hauptkirche sind an diesen Orten immer wieder beeindruckend gepflegt.Auch wenn alles rundherum furchtbar aussieht, dieser Platz erscheint immer im Top-Zustand.

Auf dem Weg nach Cotoca dahin  der Botanische Garten von Santa Cruz. Der ist groß und ziemlich umwerfend, das hätte ich der Stadt jetzt kaum zugetraut. Überhaupt gibt es sehr viele Parks mit Naturerlebnisthemen. Auf dem Mirador, einem Holzhochstand im Botanischen Garten, stehen eine nette Wärterin und ein netter Waerter und erzählen aus ihrem aufregenden Parkleben. Ich nicke ein. Nein: Die Botaniker lieben ihren Job wirklich. Was nun nicht bei vielen Bolivianern den Anschein hat.

 

Santa Cruz: Nationalpark gesucht

Angekommen in Santa Cruz, der bevölkerungsreichsten Stadt des Landes, so groß wie München. Im Gegensatz zum sehr traditionellen La Paz in Höhenlage geht es hier eher tropisch zu. Das trifft -in Grenzen- auch auf die eher unterkühlten Bolivianer zu. Der Platz vor der Kathedrale ist wirklich ausgesprochen schön. Der Markt wahnsinnig groß und umtriebig. Nun bin ich hierhergekommen, um den Nationalpark Amboro zu besuchen. Und nicht wegen der Autoabgase, die einen halb ohnmächtig zurücklassen. Ich glaube, die fahren mit Gas hier, in den Gassen ist die Luft krass unangenehm.

Aktuell gibt’s aber keine Tour, akuter Touristenmangel. Das war so nicht abzusehen und ist sehr enttäuschend. Ich muss mir ein neues Reiseziel suchen. Zum Trost gehe ich ins „Museum“. Neben der romantischen Blumenmalerei einer Künstlerin mit deutschem Namen, sieht aus wie auf dem Bauernmarkt in Mühldorf am Inn, gibt es eine Ausstellung „Modernes Russland“. So klein wie die auf Pappe geklebten Fotos sind, so kleingeistig ist die Ausstellung inhaltlich.  Zusammengefasst hat Russland den 2. Weltkrieg quasi im Alleingang gewonnen, ist der weltweit modernste Staat und gewann alle Olympischen Goldmedaillen. Und Putin hat eine eigene Bildergalerie, auf den Fotos reitet er wahlweise, ist Pianist oder streichelt Wildkatzen.

Um nach diesem kulturellen Höhenflug runterzukommen gehe ich erstmal auf den Friedhof. Diesmal aber ein Armenfriedhof. Er liegt neben den Slums am Fluss. Dessen braune Wasserfarbe sieht so trostlos aus, wie die ganze Umgebung ist. Wenn es Hochzeitsfotografen gibt,  sollte es nicht auch Beerdigungsfotografen geben? Ich melde mich freiwillig.