Dschungelcamp Brasilien 2017

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Wer ist schöner, qualitativ hochwertiger und schmeckt besser? Der guyanische oder brasilianische Urwald? Ich werde es Testen. So wie diese Vielzahl an überflüssigen Tests in ARD und ZDF zu irgendwelchen Marken. Nur Spaß, ich werde den Test einfach leben. Das praktische an Manaus ist wirklich, dass die Wege in den Dschungel so kurz sind, in 2-3 Stunden ist man in einer anderen Welt. (Ein Punkt für Brasilien :- ) Von der Stadt geht es zum Hafen, dafür durchquert man das riesige Industriegebiet. Steuerbefreiung haben alle Riesenfirmen angelockt: Sony, Toshiba, Procter und Gamble und BMW wohl auch. Vom Hafen gehen dann die Boote über das „Zusammentreffen der Wasser“. Dort wo die Flüsse Rio Negro und Rio Salamoes farblich nebeneinander herfließen, bevor sie offiziell den Amazonas bilden. Das sieht von oben vom hohen Schiff einfach toll aus. Leider sitze ich unten mit dem Wasser auf Augenhöhe.

Mit dem VW Bully geht es dann zum Boot, dass einen zunächst zur Lodge bringt. Der Weg dorthin ist wirklich atemberaubend schön, das Wasser ein einziger Spiegel. Würden sich die Seelen spiegeln, gäbe es neben meiner reinen Seele die einer eifrigen, intelligenten Chinesin zu begutachten sowie die zweier Amerikaner und des Guides Toni, der sehr lebendig die Natur liebt.  Die Lodge ist einfach und gut, das Vorhandensein von elektrischem Licht schockiert mich fast. Gott sei Dank ist die Lodge nicht zu sauber, das hätte ich nach all den Wochen so abrupt nicht ertragen. Aufgrund pausierender Delfinvorführungen-, ist der grandiose Sonnenuntergang der absolute Höhepunkt des Tages. Das wird man fast zum Romantiker. (ein Minuspunkt Brasilien)

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Treffen jder Wasser, der Amazonas entsteht offiziell

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Schul“bus“

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Von Fledermaus und Zauberflöte

Wer mir folgt, weiß nun vermutlich wo ich hier (wieder einmal) gelandet bin. Ein Besuch der Stadt lohnt, wenn auch fast nur wegen dem Theater. Ich habe diesmal eine Innenbesichtigung gemacht, äußerst beeindruckend, was man vor 121 Jahren auf die Beine stellte. Die prachtvolle Kuppel des Theatres, das knapp 600 Besucher fasst, sieht man auf den Fotos leider nie so git. Ansonsten ist die ehemalige Kautschuk-Welthauptstadt weiterhin ein rechtes Moloch mit wenigen schönen Ecken. Ich mache mich ab in den Dschungel.

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Detail aus dem Bankettsaal

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Deutsche Star-Schriftsteller verewigt

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Blick vom Balkon

Teufelsritt nach Guyana

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Abschied von Fordlandia

Ein echter Teufelsritt: von Fordlandia mit dem Boot nach Santarem, von Santerem mit dem Flieger nach Manaus, von Manaus 11 Stunden mit dem Bus nach Boa Vista im Norden Brasiliens, von dort mit dem Bus nach Bomfim an die Guyanische Grenze. Dort geht es wie immer schnell, unversehens lande ich im Taxi und es geht über eine neue Brücke nach Guyana: die brasilianische Passkontrolle ist (nicht selbstverständlicherweise) freundlich. Die Guyanische zieht sich ewig, Machtgehabe in Uniform gehört zum Ritus. Dann bin ich da, in Lethem, Guyana. Nicht das Französische. Das Englische, das aber ohne dieses Attribut auskommt. Sie sprechen allerdings Englisch, so eine Pidgeon-Variante.

Auf der Reise habe ich mal wieder einen der schlimmsten Orte passiert: den Busbahnhof in Manaus. Hatte ich von vor vier Jahren genauso höllisch in Erinnerung. Ein schreiender einbeiniger verrückter Wanderprediger zählt dort noch zu den angenehmen Erscheinungen. Die Wartehalle ist ein dunkles Loch, um den Busbahnhof lungern unglaubliche Kreaturen und campieren die Indios. Alles umgeben von einem mehrspurigen Fahrbahngewirr und unzähligen Bruchbuden. Sehr anrührend: die kleinen Indo-Straßenkinder spielen mit Bauklötzchen die gleichen Spiele wie mein kleiner Neffe in Düsseldorf. Und doch werden ihre Wege so verschieden sein. Kurzzeitig schallte durch den Bahnhof das Lied des „Phantom der Oper“: „Sing Vögelchen sing“, schrie ich dem Wanderprediger zu. Entsprechend der Wartesaalbesatzung war auch die Busbelegschaft. Uiuiui, manchmal ist es hart die Komfortzone zu verlassen. Gottseidank musste ich einen guten Teil der Nachtfahrt auf dem Busklo verbringen, so blieb mir mein ungewöhnlich erscheinender und riechender Sitznachbar erspart. Sind wir ehrlich: Wahrscheinlich dachte er das selbe von mir. Jetzt bin ich in Lethem, diesem staubigen Städtchen, in Rupununi, Guyanas Hinterland. Brasilien, warum verließ ich Dich?

Manaus aus dem Flieger mit dreckigem Fenster

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Lethem

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Mit Gruselfaktor: der Friedhof von Fordlandia

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Ich in der Kantine, Originalmobilar

Ich suche den Friedhof, natürlich. Tief im Wald ist er. Ich finde ihn nicht, will aufgeben und kehre um. Nach einer Weile treffe ich fünf eislutschende Jungs, die nach Schulende in eine weiterentferne Siedlung laufen. Ich frage nach den Friedhof, sie schicken mich wieder in die Richtung, aus der ich kam. Ich erkläre, es sei ganz schön matschig auf dem Weg und deute auf meine Schuhe mit 3 Kilo Matschklumpen dran. Sie schauen auf meine Schuhe, ich auf ihre Füße: alle barfuß. Wir lachen 5 Minuten Tränen. Que stupido touristo. Der Friedhof von Fordlandia war schon früh in den 20-er und 30-er Jahren rege besucht. Besser belegt. Die amerikanischen Gräber sind weg, die der Brasilianer noch da. Die Steinkreuze stehen schief herum, liegen gestapelt aufeinander. Es weckt in meiner deutschen Sensibilität unangenehme Assoziationen nach Massengräbern.

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Belterra: gib Gummi 

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Ich fahre nach Belterra.  Das ist ein von den Amerikanern ab 1934 aus dem Boden gestampfter Ort, rund 15 Kilometer von Alter do Chao.  Man sieht dem Ort die US-Gene an: eine gerade Ortshauptstraße wie ein Strich. Die ganz Anmutung einer amerikanischen Vorstadt. Waagrechter Holzbau an den Hausfassaden bedeutet original amerikanisch, erklärt mein Super-Guide Thiago. Er spicht perfekt englisch,  ist sehr intelligent und erklärt mir alles bis hin zum brasilianischen Wahlrecht. Zur Historie des Ortes: Nachdem das Fordwerk (Fordlandia) im Dschungel schlecht lief,  erhoffte sich Ford vom Kautschukanbau zur Gummiherstellung unter vermeintlich besseren Bedingungen in Belterra mehr Erfolg.  Nach ein paar Jahren war auch dieser Traum ausgeträumt. Vorzustellen ist sich der der Ort mit Wohnparzellen an der großen Straße, etwa wie in den Zechenstädten.  Größere Häuser für (amerikanische) bessere Angestellte, kleinere Wohnungen für die Arbeiter. Thiago hat mindestens ebenso großes Interesse wie ich.  Wir studieren im Archiv die Originalbaupläne, wo waren welche Wohnungen, Metzger, Werkstätten, Krankenhaus? Wir gehen die Häuser ab, teilweise schöne Wohnhäuser, teilweise zerfallen. In vielen Verwaltungsgebäuden sind städtische Ämter.  Wir gehen durch die Werkstätten, die Maschinen stehen verstaubt da, nebenan werden jetzt Schulbusse repariert und der zerlegte Riesen-Weihnachtsmann wartet auf seinen nächsten Einsatz auf dem Dorfplatz.. Am Schluss gehen wir in Henry Fords Haus.  Ich küsse sein original Waschbecken.  Er selbst war ja nie dort.

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Vom Tageswerk der Menschen

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Man fragt sich ja, so als Europäer mit vorgeblicher Fürsorge und dem Fetisch numerischer (Wachstums)Ergebnisse: Warum leben die Leute so abgelegen und wovon und was machen die eigentlich so den ganzen Tag? Erstes ist meint familär bedingt. Zweiteres: Die Menschen machen und produzieren alles mögliche.  Tila arbeitet im Dorfladen, nachvollziehbar. Andere produzieren Artikel aus Gummi vom Kautschukbaum. Im Workshop lernt man das sehr schön. Marivaldo ist Dschungel-Wanderguide und Waldbauer.  Viele Minijobs zum Auskommen quasi, wie beim Journalisten. Das, was dort für mich als beliebiger Wald aussieht, hat Kultur.  Aus der Andiroba-Frucht, ein Mahagonigewächs, wird Öl gepresst und gekocht. Dass dieses Öl für alles gut ist von Faltenweg bis Magenreizung, versteht sich von selbst.  Zumindest fühlt es sich wunderbar zwischenzeit den Fingern an. Ich hoffe meine Wundern vergessen schneller. die körperlichen.  erzählen muss man: Diese Gegen wird vom Staat gefördert.  Auf den Häuser sind Stempel der Staatsbank und Stromversorgung gibt es erst seit gut 10 Jahren. Ich unterhalte mich darüber wie ein Kühlschrank das Leben ändert.  Ich bin da sehr erfahren. Vor meiner Abreise musste ich 24 Stunden ohne Kühlschrank auskommen (Altentsorgung / Neukauf). Ich kann dem brasilianischen Waldbewohner bestätigen: Es war eine schwierige Zeit!

Auf der Ölfarm

Beim Kautschuk-Workshop