Essequibo: Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss

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Auf den Bildern kommt es vielleicht nicht so rueber, aber fuer mich sind die Bootsfahrten auf dem Essequibo das Highlight schlechthin. Als wir ankamen dachte ich noch: Oh Gott, Ingo, diesmal hast Du Dich uebernommen,mit dieser Nussschale auf dem riesigen Fluss, auf nimmer wiedersehen. Aber es war ein Traum, mit den Inselchen, leichten Stroemungen, Seitenarmen, Voegeln, Papageien und so weiter. Jeder Baum am Ufer ist ein eigenes Kunstwerk und mit dem Wald auf eigenstaendige Weise verwoben. Und als ich dann mal Kuehler- oder besser gesagt Bugfigur spielen durfte, also besser gehts nicht.

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Mit Fischaugen und Affengebrüll

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Mein Wald und Wiesen Guide ist Kentan, 25 Jahre, Bootsmann, Bauer und Goldsucher. Wie er stolz erzählt. In Gold setzen hier alle ihre Hoffnung, ungeachtet der Quecksilbervergiftung. Mit 25 gilt es ja auch bereits mindestens 3 Kindermünder zu ernähren. Sehr bewundere ich an Kentan sein Barfußlaufen. Ich mochte das ja nie, und im Dschungel wäre gar nicht dran zu denken. Die Riesenfische hier sind sehr beeindruckend und werden in der Regel wieder freigelassen, mein kleines Exemplar wird allerdings verspeist. Wier mich dieses goldene Geschöpf mit seinen roten Augen -sind sie verweint?- anschaut, also mir bricht es fast das Herz. Es schmeckt dann allerdings überragend. Das fasziniernede hier auf dem Essequibo in Guyana  ist: Es gibt keinen Bootsverkehr, keine Touristen. Wir haben mit dem Boot zum Angeln auf einer kleinen Flusssandbank angelegt. Die Kaimane lassen sich nicht blicken, zu wenig Sonne zum Sonnenbaden. Plötzlich startet ein ungeheures Affengebrüll im Wald. Sollen wir nachschauen, was los ist? Und schon geht es in jden Wald, Kentan hat den Weg frei. Als wir ankommen ist wieder alles ruhig, zwei feuerrote Affen schlafen in jden Baumgipfeln, die kleinen Kapuzineräffchen hopsen mit Jungen auf dem Rücken umher. Die Affenverstecken sich, zeigen sich, es ist halt kein Zoo.

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In der Dschungellodge

1_P1170779Es geht in die Dschungellodge, mehrere Studen mit dem Auto und dann mit dem Boot über Guyanas größten Fluss, den Essequibo, 1000 km lang und viert- oder fünftgrößter Fluss Südamerikas (je nach Kriterium). Die Rupununi-Landschaft auf der Jeepfahrt wechselt von Savanne über bergig in Urwald. Die Straße ist durchsetzt von Schlaglöchern, das Resthirn fliegt durch das nicht vorhandene Schiebedach davon. Wir gleiten an Autos mit Achsenbruch sicher vorbei. An einem Doerfchen erhalte ich eine Kokussnuss zum trinken, direkt neben einer Fluglandepiste. Es ist absurd, sie wurde fuer die Landung Prinz Harrys letztes Jahr hergerichtet. Obwohl die feine Piste dort so niemand braucht. Man ist aber schon stolz ueber den koeniglichen Besuch.

Die Lodge liegt nach einer lñgeren Bootsfahrt traumhaft, es gibt in dieser Gegend sonst niemanden. Außer das Lodgepersonal und ein älteres amerikanische Ehepaar, mit leichten Gebrechen und viel Humor ausgestattet. Er ist Sportfischer und auf der Suche nach dem größten Süßwasserfisch der Welt. Der Arapaima ist riesig, 2,50 oder so und 100Kilo, John wird fündig. Der Guide meint, pro Jahr kommen nur 3000 internationale Touristen nach Guyana. Wenns stimmt, wäre ich in recht exklusiver Gesellschaft. Der Nachteil sind die Kosten: Der Guyana Dschungeltrip ist sehr teuer, im Grunde nach Galapagos meine zweitteuerte Tour. Um später noch die berühmten Kaieteur-Wasserfälle zu besuchen bleibt kein Geld.

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An der goldenen Sandbank ist die Lodge

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Am Flussanlegeplatz

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Blick von der Lodge

 

 

 

 

Erfrischendes aus Guyana

 

ingoamericano Guyana wasserfallNicht erst seit Germanys next Topmodel wissen wir, wie hart der Weg für ein Model und zum guten Foto ist. Hier der nächste Beweis, nahe der Rapununi Savanne. Immer wieder überraschend, wenn das Wasser statt wie erwartet knöchelhoch plötzlich kopfhoch ist. Aber macht nichts: Man versichert mir glaubhaft, dass Guyaner auch feuchte Guyana Dollar gerne nehmen (1Euro sind 210 Guyana Dollar, 1 Bier 300 GDollar, 1mal Uebernachten 5000-6000GD) , der Rest trocknet ohnehin schnell. Immerhin habe ich den neben mir Guyaner dabei das einzige Mal in diesen Tagen so etwas wie Lachen sehen. Das ist deren Ding nicht so. Mein Hotel ist von der indischen Communitz gepraegt, was sich in Curry und schlangenartigen Taenzen zu indischer Diskomusik in Duesenjet-Lautstaerke niederschlaegt.

In dem gestern angesprochenen bewaldeten Bergen gibt es diese zu sehenden kleinen Wasserfälle, angenehm. Und eine schoene Abwechslung von der staubigen Stadt.

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Komm, hol das Lasso raus

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Ostern ist in Lethem also Rodeo der Region Rupununi: Mit „Wilde Kühe Melken“, Pferdeflüsterer, Wahl der bestangezogenen Rodeo Frau, Wilde-Pferde und Bullenreiten. Nicht zu vergessen Trinkspiele und Schweinefangen. Es gibt viel zu sehen von und neben den Tribünen, die „Vaqueros“ (Cowboys)  der regionalen Ranchen, aus Brasilien und sonstwo, laufen stolz durch die Gegend. In der Stadt herrscht plötzlich Betrieb und Partystimmung, mehrere kleine Flugzeuge treffen pro Tag ein. Der vormalige Präsident Guyanas kreuzt meinen Weg. Ich hätte ihn mir eher in Militäruniform vorgestellt, aber er sieht normal aus.

Im Rodeostadion sind einige Pferde sind in der Tat sehr wild und bockig, die Reiter offenbar fähig, das Publikum weniger klatschfreudig. Außer beim Trinkspiel, hier müssen die Teilnehmer ein Stück rennen, eine Dose Bier trinken, sich mit dem Kopf nach unten mehrmals im Kreis drehen und zurück rennen. Die Orientierung geht verloren, das gefällt. Ach ja, die Musik: volle Breitseite amerikanische Countryklänge. Nachdem ich die bereits auf einer mehrstündigen Autofahrt Kenny Rogers lauschen musste, wünsche ich mir bitte eine CD mit den 100 größten Countryhits zum Geburtstag.

 

Der Guyanische Steppenwolf

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Die Savanne in Guyana ist übrigens auch in Schwarz weiß sehr fotogen:

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Der Guyanische Steppenwolf wäre dann wohl ich, aber den Jaguar soll es geben. Also zu Guyana: Knapp 1 Million Einwohner, ehemals englische Kolonie, aufgrund seiner Geschichte ein Rassengemisch aus Indios, Karibik, Afrika, Indien, etwas China. Europa ist im Süden hier nicht vertreten, vermutlich im Norden rund um die Hauptstadt Georgetown. Sprache Englisch, das sich aber ratternd und aggressiv anhört, eher kein Oxford-Englisch und nicht immer verständlich. Es fällt auf, dass es oft um Geld geht, ständig wechseln Geldbündel den Besitzer. Außerdem ist es sehr laut, Sprache und Musik immer bis zum Lautstärke-Anschlag. Mein bisher einiger Kontakt war ja der Guyaner, der mich vor Jahren im „Hotel“ in Manaus eingesperrt hatte und gegen Geld freiließ. Naja, ich lasse mir gerne das Gegenteil beweisen, die Freundlichkeit der Guyaner. Hier an der Grenze nach Lethem kommen viele Brasilianer zum Einkaufen, es gibt unzählige Geschäfte mit China-Plastikkram und gefälschten Klamotten. Nachdem Brasilianer nun auch nicht gerade die Modekönige sind, wird es für sie recht sein. China-Geschäfte seien in Brasilien verboten, deshalb sei hier alles chinesisch. Also auf den brasilianischen Märkten gabe es Unmengen Fakre-Ware, aber vielleicht sind sie im Norden verboten. Hinter dem Ort sind dann Indigene Gemeinschaften und die Savanne mit ihren Ameisenhügeln, dahinter bewaldete Berge. Sehr schön. Die indigenen, geschützten Gemeinschaften sind wie in Brasilien organisiert: Du kannst dort nicht einfach hinziehen. Um dort zu wohnen, musst Du dort geboren sein, ein Kind von dort lebenden sein oder jemanden von dort heiraten. Die Hausmauern dieser einfachen Häuser hier sind hier mittlerweile meist aus Backstein, das Dach aus Gras oder Schilf. Weniger Fortschritte haben  die Straßen gemacht: auf ein Schlagloch folgt das nächste, reiner Zickzackkurs. Macht nichts: Unser Jeep kolabiert ohnehin beim Ausflug nach Motorüberhitzung.

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