Mit Fischaugen und Affengebrüll

1_P1170634

Mein Wald und Wiesen Guide ist Kentan, 25 Jahre, Bootsmann, Bauer und Goldsucher. Wie er stolz erzählt. In Gold setzen hier alle ihre Hoffnung, ungeachtet der Quecksilbervergiftung. Mit 25 gilt es ja auch bereits mindestens 3 Kindermünder zu ernähren. Sehr bewundere ich an Kentan sein Barfußlaufen. Ich mochte das ja nie, und im Dschungel wäre gar nicht dran zu denken. Die Riesenfische hier sind sehr beeindruckend und werden in der Regel wieder freigelassen, mein kleines Exemplar wird allerdings verspeist. Wier mich dieses goldene Geschöpf mit seinen roten Augen -sind sie verweint?- anschaut, also mir bricht es fast das Herz. Es schmeckt dann allerdings überragend. Das fasziniernede hier auf dem Essequibo in Guyana  ist: Es gibt keinen Bootsverkehr, keine Touristen. Wir haben mit dem Boot zum Angeln auf einer kleinen Flusssandbank angelegt. Die Kaimane lassen sich nicht blicken, zu wenig Sonne zum Sonnenbaden. Plötzlich startet ein ungeheures Affengebrüll im Wald. Sollen wir nachschauen, was los ist? Und schon geht es in jden Wald, Kentan hat den Weg frei. Als wir ankommen ist wieder alles ruhig, zwei feuerrote Affen schlafen in jden Baumgipfeln, die kleinen Kapuzineräffchen hopsen mit Jungen auf dem Rücken umher. Die Affenverstecken sich, zeigen sich, es ist halt kein Zoo.

ingoamericano fisch

P1170523

Werbeanzeigen

In der Dschungellodge

1_P1170779Es geht in die Dschungellodge, mehrere Studen mit dem Auto und dann mit dem Boot über Guyanas größten Fluss, den Essequibo, 1000 km lang und viert- oder fünftgrößter Fluss Südamerikas (je nach Kriterium). Die Rupununi-Landschaft auf der Jeepfahrt wechselt von Savanne über bergig in Urwald. Die Straße ist durchsetzt von Schlaglöchern, das Resthirn fliegt durch das nicht vorhandene Schiebedach davon. Wir gleiten an Autos mit Achsenbruch sicher vorbei. An einem Doerfchen erhalte ich eine Kokussnuss zum trinken, direkt neben einer Fluglandepiste. Es ist absurd, sie wurde fuer die Landung Prinz Harrys letztes Jahr hergerichtet. Obwohl die feine Piste dort so niemand braucht. Man ist aber schon stolz ueber den koeniglichen Besuch.

Die Lodge liegt nach einer lñgeren Bootsfahrt traumhaft, es gibt in dieser Gegend sonst niemanden. Außer das Lodgepersonal und ein älteres amerikanische Ehepaar, mit leichten Gebrechen und viel Humor ausgestattet. Er ist Sportfischer und auf der Suche nach dem größten Süßwasserfisch der Welt. Der Arapaima ist riesig, 2,50 oder so und 100Kilo, John wird fündig. Der Guide meint, pro Jahr kommen nur 3000 internationale Touristen nach Guyana. Wenns stimmt, wäre ich in recht exklusiver Gesellschaft. Der Nachteil sind die Kosten: Der Guyana Dschungeltrip ist sehr teuer, im Grunde nach Galapagos meine zweitteuerte Tour. Um später noch die berühmten Kaieteur-Wasserfälle zu besuchen bleibt kein Geld.

2_P1170653

An der goldenen Sandbank ist die Lodge

3_P1170752

Am Flussanlegeplatz

5_P11706944_P1170684

Blick von der Lodge

 

 

 

 

Komm, hol das Lasso raus

P1170977

Ostern ist in Lethem also Rodeo der Region Rupununi: Mit „Wilde Kühe Melken“, Pferdeflüsterer, Wahl der bestangezogenen Rodeo Frau, Wilde-Pferde und Bullenreiten. Nicht zu vergessen Trinkspiele und Schweinefangen. Es gibt viel zu sehen von und neben den Tribünen, die „Vaqueros“ (Cowboys)  der regionalen Ranchen, aus Brasilien und sonstwo, laufen stolz durch die Gegend. In der Stadt herrscht plötzlich Betrieb und Partystimmung, mehrere kleine Flugzeuge treffen pro Tag ein. Der vormalige Präsident Guyanas kreuzt meinen Weg. Ich hätte ihn mir eher in Militäruniform vorgestellt, aber er sieht normal aus.

Im Rodeostadion sind einige Pferde sind in der Tat sehr wild und bockig, die Reiter offenbar fähig, das Publikum weniger klatschfreudig. Außer beim Trinkspiel, hier müssen die Teilnehmer ein Stück rennen, eine Dose Bier trinken, sich mit dem Kopf nach unten mehrmals im Kreis drehen und zurück rennen. Die Orientierung geht verloren, das gefällt. Ach ja, die Musik: volle Breitseite amerikanische Countryklänge. Nachdem ich die bereits auf einer mehrstündigen Autofahrt Kenny Rogers lauschen musste, wünsche ich mir bitte eine CD mit den 100 größten Countryhits zum Geburtstag.

 

Teufelsritt nach Guyana

P1160943 - Copy

Abschied von Fordlandia

Ein echter Teufelsritt: von Fordlandia mit dem Boot nach Santarem, von Santerem mit dem Flieger nach Manaus, von Manaus 11 Stunden mit dem Bus nach Boa Vista im Norden Brasiliens, von dort mit dem Bus nach Bomfim an die Guyanische Grenze. Dort geht es wie immer schnell, unversehens lande ich im Taxi und es geht über eine neue Brücke nach Guyana: die brasilianische Passkontrolle ist (nicht selbstverständlicherweise) freundlich. Die Guyanische zieht sich ewig, Machtgehabe in Uniform gehört zum Ritus. Dann bin ich da, in Lethem, Guyana. Nicht das Französische. Das Englische, das aber ohne dieses Attribut auskommt. Sie sprechen allerdings Englisch, so eine Pidgeon-Variante.

Auf der Reise habe ich mal wieder einen der schlimmsten Orte passiert: den Busbahnhof in Manaus. Hatte ich von vor vier Jahren genauso höllisch in Erinnerung. Ein schreiender einbeiniger verrückter Wanderprediger zählt dort noch zu den angenehmen Erscheinungen. Die Wartehalle ist ein dunkles Loch, um den Busbahnhof lungern unglaubliche Kreaturen und campieren die Indios. Alles umgeben von einem mehrspurigen Fahrbahngewirr und unzähligen Bruchbuden. Sehr anrührend: die kleinen Indo-Straßenkinder spielen mit Bauklötzchen die gleichen Spiele wie mein kleiner Neffe in Düsseldorf. Und doch werden ihre Wege so verschieden sein. Kurzzeitig schallte durch den Bahnhof das Lied des „Phantom der Oper“: „Sing Vögelchen sing“, schrie ich dem Wanderprediger zu. Entsprechend der Wartesaalbesatzung war auch die Busbelegschaft. Uiuiui, manchmal ist es hart die Komfortzone zu verlassen. Gottseidank musste ich einen guten Teil der Nachtfahrt auf dem Busklo verbringen, so blieb mir mein ungewöhnlich erscheinender und riechender Sitznachbar erspart. Sind wir ehrlich: Wahrscheinlich dachte er das selbe von mir. Jetzt bin ich in Lethem, diesem staubigen Städtchen, in Rupununi, Guyanas Hinterland. Brasilien, warum verließ ich Dich?

Manaus aus dem Flieger mit dreckigem Fenster

P1170012

Lethem

P1170030