Taekwondo: Auf Tritt in Schritt

In der Taekwondo-Halle

In der Taekwondo-Halle

Wo man nicht überall hier landet: heute im Taekwondo. Das ist ungefähr wie Fechten, nur mit den Beinen. Und in langweilig. 420 Real hätte die Karte gekostet, das kann man nur geschenkt annehmen. Ich wollte gerade „Heim“ zum schreiben, doch der Rollifahrer aus unserem Büro wollte gerne zum Taekwondo. Mein Respekt : So einen älteren, einfachen Rollstuhl vorwärtszubewegen ist kein leichtes., zumindest nach einem sportlosen Monat. So ging es die durchaus nicht kurze Strecke in den Olympiapark. Ich bin ja echt sportbegeistert, aber mit dem Sport-Getrete konte ich nichts anfangen und hab die Regeln, sofern vorhanden, auch nicht kapiert. Die Sportler werfen die Beine in die Höhe und ab und an gibts einen Dong und jemand kriegt einen Punkt.  Die Talentsichtung würde ich daher bei den Funkenmariechen vorschlagen.

Meine Begleitung scrollte sich durch die Tinder-Girls von Rio, er schaute keine fünf Minuten dem Sport zu. Nach zweieinhalb Stunden, direkt vor dem Höhepunkt, dem abschließenden Goldkampf, wollte er nach Hause. Zumindest habe ich wieder einen der beliebten Olympia-Bier-Becher mehr. Und einen besseren Eindruck davon, vor welchen Herausforderungen ein Behinderter immer wieder steht, um sich fortzubewegen. Wobei die Olympia-Umgebung wirklich behindertengerecht ausgestattet ist.

Abends ist der Olympiapark natürlich besonders stimmungsvoll.

Die drei Carioca-Arenen mit Taekwondo, Ringen, Fechten, manchmal wohl Basketball

Die drei Carioca-Arenen mit Taekwondo, Ringen, Fechten, manchmal wohl Basketball.

Der Tenis Center Court

Der Tennis Center Court

ingoamericano park nachts 4

links Carioca 1, rechts Schwimmen

links Carioca 1, hinten links Handball, rechts Schwimmen

links Schwimmen, rechts das Megastore mit dem Merchandising-Kram

links Schwimmen, rechts das Megastore mit dem Merchandising-Kram

Ein par Server im Fernsehzentrum - Ausmaß gigantisch

Ein paar Server im Fernsehzentrum – Ausmaß gigantisch

 

 

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Boltmania

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Nachdem die deutschen Leichtathleten Highlights verweigerten – kam Gott sei Dank noch Usain Bolt. Die Brasilianer lieben seine Erscheinung, auch über 200 Meter. Mir kommt das ganze manchmal fast vor wie eine Jahrmarktschau im Kuriositätenkabinett. Frau ohne Unterleib und was es da so alles zu bestaunen gibt.

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Ich persönlich habe mich sehr für Lemaitre gefreut. Er war der glücklichste Monsieur im Stadion, denke ich. Einsam zog er versunken seine Ehrenrunde.

Lemaitre kl

O Globo: die Olympiazeitung des brasilianischen Medienriesen

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Abends sind meist alle Exemplare der Olympia-Zeitung vergriffen, die täglich rund um die Wettkampfstätten in Rio für das Olympia-Publikum ausliegen. Gedruckt wird mit Maschinentechnologie aus Augsburg.

Meinen Artikel dazu gibt es hier. Super-interessant.

http://www.4-c.at/stories/artikel/aid/29148/Olympische_Spiele_2016/Augsburger_Drucktechnologie_fuer_Olympia_Besucher?af=Home

 

Hat mich jemand nach meiner Meinung gefragt?

Nein? Egal. Nun habe ich hier immer mehr oder weniger schlechte Zwischenbilanzen gelesen in Spiegel und Konsorten. Da möchte ich doch auch was sagen. Ganz subjektiv: Ich fühle mich wunderbar aufgehoben, außer beim Speisen- und Eintrittskartenkauf. Passend zum Rundumschlag füge ich mal ein paar bunte Grafittis hinzu. Nicht, dass hier noch jemand traurig wird.

Am olympischen Boulevard

Am olympischen Boulevard

ZIKA: Ich habe in drei Wochen vier Mücken gezählt. Die hab ich weggeklatscht.

Wettkampfstätten: Als Zuschauer fühle ich mich sehr wohl und finde mich zurecht. Die Wasserspringer werden das so sicherlich nicht formulieren, aber ansonsten scheint das ok.

Einlass und Security: Man muss schon mal warten, aber normalerweise nicht länger als in der Allianz-Arena. In der Regel und im Pressezentrum geht das alles flott. Man sollte halt nicht zu spät kommen, denn das machen ja schon genügend andere.

Kommunikation: Die Kommunikation, der „Spiegel“ erwähnt meinen Chef, wäre hilflos. Das kann ich so nicht stehen lassen.

Transport: Für südamerikanische Städte top und für mich die absolute Überraschung, wenn man an das Chaos sonst denkt. Die U-Bahn 5 Tage vor den Spielen zu öffnen ist mutig, aber bisher klappt es. Ohne die U-Bahn wäre nichts gegangen. Und wenn sich mal ein Busfahrer bei 20000 Shuttlefahrten verfährt, dann mag das für die Insassen blöd sein, aber ist nun keine Katastrophe. Nichtsdestotrotz dauert alles: Die Wege in Rio sind halt unendlich lang, das war aber schon immer so, da die Stadt mindestens 50 km lang und mit Bergen durchsetzt ist, also besondere geografische Verhältnisse hat.

Sicherheit: Die Militärpräsenz ist enorm, Sicherheit verleiht sie bedingt. Es mutet eher wie in einem paramilitärischen Staat an. Aber das bin ich aus anderen Ländern gewohnt. Generell ist das alles ok, aber auch nicht wirklich schön. Ich erwähnte es bereits, die stest schussbereiten Maschinengewehre stören mich etwas. Und wenn sich eine Armeekompanie vor mir in die Kantinenschlange einreiht.

Nahe dem historischen Museum; jemand Gebildetes kann sicher was rauslesen, ich kann es nur genießen

Nahe dem historischen Museum; jemand Gebildetes kann sicher was rauslesen, ich kann es nur genießen

Kantine: Das beste Kantinenessen das ich je hatte.

Verpflegung Sportstätten: Katastrophal. Hier hat man besondere Freunde am Visa-Monopol. Bei den Essensschlangen muss man ein Ticket kaufen. Dann sind da 10 Häuschen die nur VISA nehmen. Und zwei, die Bargeld nehmen. Niemand hier hat VISA. Es gibt eine Schlange von 100 Metern, 10 VISA-Verkäufer die nichts zu tun haben und die zwei üblichen bedächtigen brasilianischen Verkäufer. Da hopst man im Dreieck. Teilweise muss man zwischen Sportschauen oder Getränk kaufen wählen, mitnehmen darf man ja nichts in die Sportstätten.

Zu allem Überfluss hat Coca Cola keine Sonnenschirme auf dem Quadratkilometer großen Essensplatz im Olympiapark aufgestellt. Die Leute sind kurz vorm Kollabieren. Das ganze Olympiagelände ist ohne Schattenplätze konzipiert. Da fragt man sich echt, wie stümperhaft Eventplanung sein kann. Dort wo die Brasilianer sich selbst organisieren wie an der Fanmeile, „Boulevard Olympico“ genannt, kommen natürlich alle fliegenden Händler zusammen und verkaufen Bier etc. Das ist echtes Brasilien und klappt hervorragend. Dort laufen allerdings auch die DIXI-Klos aus, dass sich sogar Stinktiere die Nase zuhalten.

In Lapa, dezente Nike Werbung - machen sie gut, das Bild ist riesig

In Lapa, dezente Nike Werbung – machen sie gut, das Bild ist riesig

Diebstahl: In einer Metropolregion mit so vielen Einwohnern wie Österreich kommt das durchaus vor. Meinem nettesten brasilianischen Kollegen wurde sein Gepäck gestohlen. Es werden also nicht nur Gringos als Opfer auserkoren.

Ticketing: Das ist das verheerenste was ich erlebe. Da könnte ich echt heulen. Du stehst am Schalter, die sagen es ist ausverkauft und im Fernsehen ist die Halle halb leer. Das hat zum einen mit den Doppelveranstaltungen zu tun. Wenn Brasilien eine von zwei Parteien spielt, gehen die Brasilianer nur zu dieser, die andere ist leer. Aber erster Linie scheinen es Software-Probleme zu sein gepaart mit genereller Unfähigkeit.

Brasilianer bei den Wettkämpfen: Sie sind maßlos unfair, das ist sehr unschön. Aber wenn ein brasilianischer Sportler kommt, ist es sehr unterhaltsam und emotional! Viele meiner Kollegen und die meisten Brasilianer sind unglaublich nett. Vermutlich bekommt ihnen das Kollektiv nicht.

Im Hafenviertel auf der NICHT renovierten Seite ...

Im Hafenviertel auf der NICHT renovierten Seite …

..vielleicht hundert Meter weg vom Schwesterngemälde. Irgendwie fast Renaissance-mäßig.

..vielleicht hundert Meter weg vom Schwesterngemälde. Irgendwie fast Renaissance-mäßig.

Wenn Schmerz zur Kunst wird

Die Brasilianer brennen ja auf Revanche für die WM-Niederlage, nun bei Olympia soll es soweit sein. Schließlich können Deutschland und Brasilien im Finale aufeinander treffen, wenn beide ihre Halbfinals gewinnen. Ich stimme immer zu, „Ja klar, das wird das Spiel der Spiele. “ Ich erzähle nicht, dass Olympischer Fußball geringe Wertschätzung in Deutschland erfährt, nicht einmal die Spieler hinfahren wollen. Wie auch immer: Dieses WM-7:1 ist immer noch überall präsent, in der Kunst, in Gesprächen, muss ein echter Schock gewesen sein.  Für mich was das tollste an jenem Abend, dass der Wirt Schnäpse ausgegeben hat.

Naja, ehrlich gesagt schaue ich eine Zusammenfassung des Spiels mindestens einmal pro Woche auf Youtube an, um einen Glücksmoment abzurufen. Bei den Brasilianern machen das vermutlich nur die Hochdepressiven.

Zwei Schöne Grafittiwerke zum Thema hier:

Gegenüber der berühmten Treppe Selearon ist dieses Werk. Wie Selaron, 2013 (mysteriös) gestorben, das Fußballspiel interpretieren könnte. Jedes Segelboot ein deutsche Tor.

Gegenüber der berühmten Treppe Selaron ist dieses Werk. Wie Selaron, 2013 (mysteriös) gestorben, das Fußballspiel interpretieren könnte. Jedes Segelboot ein deutsche Tor.

Am Forte Copacabana (Festung) nahe dem berühmten Strand leben die WM-Halbfinale wieder auf.  Quasi ein Triptychon im Bildern, handwerklich gut gemacht, vor allem der Klose ist super, finde ich. Stopp: Nachdem ich gerade feststelle, dass der vermeindliche Klose der Lahm sein müsste (wegen der Nummer 16) ziehe ich zurück: Ein Porträtmalkurs würde dem Künstler gut stehen. Das Werk gefällt mir dennoch sehr.

Olympische Momente: Die Deutsche Olympia-Tageszeitung

Das Deutsche Haus des DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) in Barra.

Das Deutsche Haus des DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) in Barra.

Ich habe gestern dem Deutschen Haus im Rio am Strand in Barra einen Besuch abgestattet. Das liegt schön und durchaus entlegen, hier werden zum Beispiel die Medaillengewinner beklatscht. Es gibt in Leblon, also zentraler, ein weiteres Deutsches Haus. Das ist als kulturelle deutsch-brasilianische Begegnungsstätte ausgelegt. Als ich hinwollte fiel die Party wegen zu starkem Wind aus. Ich hab mich dann auf der Insel betrunken.

Im Deutschen Haus in Barra wird jeden Tag ein Newsletter für die Deutschen hier in Rio gedruckt. Darüber habe ich einen Bericht für das 4c-Magazin recherchiert. „4c-Redakteur Ingo Woelk, derzeit in Rio, berichtet“ heißt es in der Ankündigung. Ich finde, das klingt hervorragend.

Zum 4c-Artikel geht es hier (auf den Link unten klicken)

Beim Drucken würden die Deutschen in Rio schon die Nationenwertung anführen. „Olympische Momente“ heißt der täglich produzierte Newsletter, der während der Olympischen Spiele in 16 tagesaktuellen Ausgaben à acht Seiten unters sportive und sportinteressierte Volk gebracht wird…

http://www.4-c.at/stories/artikel/aid/29138/Olympische_Spiele_2016/Tageszeitung_fuer_die_Olympischen_Spiele?af=Home

Der tägliche Newsletter "Olympische Momente"

Der tägliche Newsletter „Olympische Momente“

Tod auf dem Hockeyfeld

Auf geht es in die Militärkaserne nördlich von Rio. Denn dort, in Deodoro, finden die zweitmeisten Sportveranstaltungen statt. Für mich geht es zum Hockey in diesem zweiten Olympiapark. Der sieht aus wie ein typischer südamerikanischer Spielplatz. Es heißt ja immer, es solle nicht zu viel neugebaut werden, hier werden vorhandene Strukturen  genutzt und die Leute haben viel Spaß im Grünen oder eher auf dem Asphalt. Ein Tick mehr Fantasie könnte es schon sein, nennt sich schließlich ebenfalls „Olympischer Park“, dieser Ort.

Spiel & Spaß im Olympiapark

Spiel & Spaß im Olympiapark

Dieses „Villa Militar“ erinnert mich mit diesem Südstaaten-ähnlichen Haus durchaus an die Kadettenanstalt in „Fackeln im Sturm“, wem die TV-Serie noch ein Begriff ist.  Die Militärpräsenz, ohnehin in der Stadt und auf Brücken überragend, ist hier naturgemäß noch massiver. Das Motto könte lauten: „Spaß unter der Militärjunta“. Die Soldaten, meist auf Lastern oder Panzern sitzend, haben das Maschinengewehr immer im Anschlag, auch an der Copacabana. Verleiht mir nur bedingt Sicherheit. Ich meine, wenn den Soldaten jemand von hinten kitzelt: Puff! Tod auf dem Hockeyfeld.

Mein erstes Hockeyspiel. Ich kenne mich nun gut aus im Sport, aber das Hockey-Regelwerk hat sich mir nicht ganz erschlossen. Ein sehr körperloses Spiel, in dem man ständig für irgendwas bestraft wird. Bewundernswert die Ballannahme der Spieler mit dem Schläger, dass die Deutschen so viele Fehlpässe spielen hätte ich nicht erwartet. Es war spannend und das Ambiente stimmte: Die Sonne brannte, umgeben von schreienden argentinischen Fans spielten die Gauchos besser, trotzdem führte Deutschland 3:1. Am Schluss 4:4, gerecht finde ich und meine sangesfreudigen argentinischen Freunde waren auch beruhigt.

Entschuldigen Sie bitte die reißerische Überschrift.