Herr Kaiman: bitte zur Musterung vortreten

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Affen, Faultiere und Delfine suchen, Piranha angeln und Kaimane fangen sind die üblichen Beschäftigungen hier. Nun sind wir nicht im Zoo, die Erfolge sind überschaubar. Ebenso meine Angeltriumphe, kein Piranha will anbeißen. Bei den anderen zuweilen schon, auffällig ist der Piranha mit rotem Bauch, angeblich der aggressive. Alle kleinen Fische landen wieder im Fluss, ich wollte sie eh nicht essen. Kaiman fangen gehört zum Standardprogramm der Amazonas-Guides, ich bin da sehr zwiespältig. Seine funkelnden Augen verraten den Kaiman nachts, vom Boot aus packt der Guide zu. Das Tier, ca. 6 Monate, fiept, vermutlich vor freudiger Erregung, könnte aber auch Angst sein. Nach menschlicher Begutachtung und Erklärungen inklusive Geschlechtsdefinition schwimmt es wieder davon. Also, im Grunde war es für ihn wie bei der Musterung zur Bundeswehr. Ich zumindest werde mir nie mehr Cowboystiefel aus Krokoleder kaufen – auch wenn mich die Absätze 3 Zentimeter größer machen.

Nette Geschichte: In tiefster Dunkelheit kommen mit dem Boot ein Unternehmensberater und Freundin aus Frankfurt in der Lodge vorbei. Nicht beruflich, ihr Guide hat keine Batterie mehr für die Taschenlampe. Der Teufel sitzt bekanntlich im Detail. Sie verbringen eine Woche im Dschungel, vermutlich um dem Burnout zu entkommen. Gut drauf sind sie allemal. Innerhalb einer Stunde mehr Spaß als mit manch anderen in drei Tagen.

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Dschungelcamp Brasilien 2017

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Wer ist schöner, qualitativ hochwertiger und schmeckt besser? Der guyanische oder brasilianische Urwald? Ich werde es Testen. So wie diese Vielzahl an überflüssigen Tests in ARD und ZDF zu irgendwelchen Marken. Nur Spaß, ich werde den Test einfach leben. Das praktische an Manaus ist wirklich, dass die Wege in den Dschungel so kurz sind, in 2-3 Stunden ist man in einer anderen Welt. (Ein Punkt für Brasilien :- ) Von der Stadt geht es zum Hafen, dafür durchquert man das riesige Industriegebiet. Steuerbefreiung haben alle Riesenfirmen angelockt: Sony, Toshiba, Procter und Gamble und BMW wohl auch. Vom Hafen gehen dann die Boote über das „Zusammentreffen der Wasser“. Dort wo die Flüsse Rio Negro und Rio Salamoes farblich nebeneinander herfließen, bevor sie offiziell den Amazonas bilden. Das sieht von oben vom hohen Schiff einfach toll aus. Leider sitze ich unten mit dem Wasser auf Augenhöhe.

Mit dem VW Bully geht es dann zum Boot, dass einen zunächst zur Lodge bringt. Der Weg dorthin ist wirklich atemberaubend schön, das Wasser ein einziger Spiegel. Würden sich die Seelen spiegeln, gäbe es neben meiner reinen Seele die einer eifrigen, intelligenten Chinesin zu begutachten sowie die zweier Amerikaner und des Guides Toni, der sehr lebendig die Natur liebt.  Die Lodge ist einfach und gut, das Vorhandensein von elektrischem Licht schockiert mich fast. Gott sei Dank ist die Lodge nicht zu sauber, das hätte ich nach all den Wochen so abrupt nicht ertragen. Aufgrund pausierender Delfinvorführungen-, ist der grandiose Sonnenuntergang der absolute Höhepunkt des Tages. Das wird man fast zum Romantiker. (ein Minuspunkt Brasilien)

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Treffen jder Wasser, der Amazonas entsteht offiziell

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Schul“bus“

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Von Fledermaus und Zauberflöte

Wer mir folgt, weiß nun vermutlich wo ich hier (wieder einmal) gelandet bin. Ein Besuch der Stadt lohnt, wenn auch fast nur wegen dem Theater. Ich habe diesmal eine Innenbesichtigung gemacht, äußerst beeindruckend, was man vor 121 Jahren auf die Beine stellte. Die prachtvolle Kuppel des Theatres, das knapp 600 Besucher fasst, sieht man auf den Fotos leider nie so git. Ansonsten ist die ehemalige Kautschuk-Welthauptstadt weiterhin ein rechtes Moloch mit wenigen schönen Ecken. Ich mache mich ab in den Dschungel.

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Detail aus dem Bankettsaal

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Deutsche Star-Schriftsteller verewigt

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Blick vom Balkon

Komm, hol das Lasso raus

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Ostern ist in Lethem also Rodeo der Region Rupununi: Mit „Wilde Kühe Melken“, Pferdeflüsterer, Wahl der bestangezogenen Rodeo Frau, Wilde-Pferde und Bullenreiten. Nicht zu vergessen Trinkspiele und Schweinefangen. Es gibt viel zu sehen von und neben den Tribünen, die „Vaqueros“ (Cowboys)  der regionalen Ranchen, aus Brasilien und sonstwo, laufen stolz durch die Gegend. In der Stadt herrscht plötzlich Betrieb und Partystimmung, mehrere kleine Flugzeuge treffen pro Tag ein. Der vormalige Präsident Guyanas kreuzt meinen Weg. Ich hätte ihn mir eher in Militäruniform vorgestellt, aber er sieht normal aus.

Im Rodeostadion sind einige Pferde sind in der Tat sehr wild und bockig, die Reiter offenbar fähig, das Publikum weniger klatschfreudig. Außer beim Trinkspiel, hier müssen die Teilnehmer ein Stück rennen, eine Dose Bier trinken, sich mit dem Kopf nach unten mehrmals im Kreis drehen und zurück rennen. Die Orientierung geht verloren, das gefällt. Ach ja, die Musik: volle Breitseite amerikanische Countryklänge. Nachdem ich die bereits auf einer mehrstündigen Autofahrt Kenny Rogers lauschen musste, wünsche ich mir bitte eine CD mit den 100 größten Countryhits zum Geburtstag.

 

Der Guyanische Steppenwolf

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Die Savanne in Guyana ist übrigens auch in Schwarz weiß sehr fotogen:

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Der Guyanische Steppenwolf wäre dann wohl ich, aber den Jaguar soll es geben. Also zu Guyana: Knapp 1 Million Einwohner, ehemals englische Kolonie, aufgrund seiner Geschichte ein Rassengemisch aus Indios, Karibik, Afrika, Indien, etwas China. Europa ist im Süden hier nicht vertreten, vermutlich im Norden rund um die Hauptstadt Georgetown. Sprache Englisch, das sich aber ratternd und aggressiv anhört, eher kein Oxford-Englisch und nicht immer verständlich. Es fällt auf, dass es oft um Geld geht, ständig wechseln Geldbündel den Besitzer. Außerdem ist es sehr laut, Sprache und Musik immer bis zum Lautstärke-Anschlag. Mein bisher einiger Kontakt war ja der Guyaner, der mich vor Jahren im „Hotel“ in Manaus eingesperrt hatte und gegen Geld freiließ. Naja, ich lasse mir gerne das Gegenteil beweisen, die Freundlichkeit der Guyaner. Hier an der Grenze nach Lethem kommen viele Brasilianer zum Einkaufen, es gibt unzählige Geschäfte mit China-Plastikkram und gefälschten Klamotten. Nachdem Brasilianer nun auch nicht gerade die Modekönige sind, wird es für sie recht sein. China-Geschäfte seien in Brasilien verboten, deshalb sei hier alles chinesisch. Also auf den brasilianischen Märkten gabe es Unmengen Fakre-Ware, aber vielleicht sind sie im Norden verboten. Hinter dem Ort sind dann Indigene Gemeinschaften und die Savanne mit ihren Ameisenhügeln, dahinter bewaldete Berge. Sehr schön. Die indigenen, geschützten Gemeinschaften sind wie in Brasilien organisiert: Du kannst dort nicht einfach hinziehen. Um dort zu wohnen, musst Du dort geboren sein, ein Kind von dort lebenden sein oder jemanden von dort heiraten. Die Hausmauern dieser einfachen Häuser hier sind hier mittlerweile meist aus Backstein, das Dach aus Gras oder Schilf. Weniger Fortschritte haben  die Straßen gemacht: auf ein Schlagloch folgt das nächste, reiner Zickzackkurs. Macht nichts: Unser Jeep kolabiert ohnehin beim Ausflug nach Motorüberhitzung.

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Teufelsritt nach Guyana

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Abschied von Fordlandia

Ein echter Teufelsritt: von Fordlandia mit dem Boot nach Santarem, von Santerem mit dem Flieger nach Manaus, von Manaus 11 Stunden mit dem Bus nach Boa Vista im Norden Brasiliens, von dort mit dem Bus nach Bomfim an die Guyanische Grenze. Dort geht es wie immer schnell, unversehens lande ich im Taxi und es geht über eine neue Brücke nach Guyana: die brasilianische Passkontrolle ist (nicht selbstverständlicherweise) freundlich. Die Guyanische zieht sich ewig, Machtgehabe in Uniform gehört zum Ritus. Dann bin ich da, in Lethem, Guyana. Nicht das Französische. Das Englische, das aber ohne dieses Attribut auskommt. Sie sprechen allerdings Englisch, so eine Pidgeon-Variante.

Auf der Reise habe ich mal wieder einen der schlimmsten Orte passiert: den Busbahnhof in Manaus. Hatte ich von vor vier Jahren genauso höllisch in Erinnerung. Ein schreiender einbeiniger verrückter Wanderprediger zählt dort noch zu den angenehmen Erscheinungen. Die Wartehalle ist ein dunkles Loch, um den Busbahnhof lungern unglaubliche Kreaturen und campieren die Indios. Alles umgeben von einem mehrspurigen Fahrbahngewirr und unzähligen Bruchbuden. Sehr anrührend: die kleinen Indo-Straßenkinder spielen mit Bauklötzchen die gleichen Spiele wie mein kleiner Neffe in Düsseldorf. Und doch werden ihre Wege so verschieden sein. Kurzzeitig schallte durch den Bahnhof das Lied des „Phantom der Oper“: „Sing Vögelchen sing“, schrie ich dem Wanderprediger zu. Entsprechend der Wartesaalbesatzung war auch die Busbelegschaft. Uiuiui, manchmal ist es hart die Komfortzone zu verlassen. Gottseidank musste ich einen guten Teil der Nachtfahrt auf dem Busklo verbringen, so blieb mir mein ungewöhnlich erscheinender und riechender Sitznachbar erspart. Sind wir ehrlich: Wahrscheinlich dachte er das selbe von mir. Jetzt bin ich in Lethem, diesem staubigen Städtchen, in Rupununi, Guyanas Hinterland. Brasilien, warum verließ ich Dich?

Manaus aus dem Flieger mit dreckigem Fenster

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Lethem

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