Karamba Carimbó!

Auf zum Tanz: der Carimbó nach marajoanischer Art ist ziemlich cool, vor allem wenn er von Brasilianerinnen getanzt wird. Brasilianer tanzen auch super, aber die Damen haben extra fliegende Röcke. Macht optische mehr her. Ein älterer Herr glänzt mit Goldenem Zylinder, der ist allerdings ebenso aufmerksamkeitsstark. Bei Deutschen sieht der Tanz bescheiden aus.  Egel: super Musik, leidenschaftliche Trommeln, nicht so eintönig wie beim Forro. Der Weg in die Stadtpheripherie hat sich mehr als gelohnt!

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Reif für die Insel

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So stimmungsvoll bei aufgehender Sonne den Tag auf dem Amazonas zu eröffnen ist schon herrlich. Es geht auf die Insel do Marajo, westlich gegenüberliegend von Belem. Bootsfahrt, Bus, Fähre, und nach ein paar Stunden lande ich in der Stadt Soure. Die Insel ist so groß wie Belgien -habe ich gelesen- und sumpfig. Versumpfen mag ich ja, drum fühle ich mich wohl. Das Leben ist einfach, aber nicht verslumt. Die Inselbewohner sind sehr stolz auf ihre Töpferkunst und eben auf ihre Büffel, deren Käse, Fleisch. Ich esse gleich ein Büffelsteak mit Büffelkäse, nachdem ich auf dem Büffel eines Bauern saß, um danach ein paar Büffelledersandalen zu kaufen. Die schleppe ich jetzt mit mir rum, weil ich gemerkt habe, dass mein Krüppelzeh doch nicht richtig reinpasst.

Es ist mal wieder „un otro mundo“, dieses Inselleben ist ja immer derart anders als auf dem Festland. Autos gibt es wenig, Fahrrad, Moped und Büffelkutschen sind die Hauptfortbewegungsmittel. Mein Verkehrsmittel ist das Mototaxi. „Gott ist Dein Beifahrer“ steht hier immer wieder an die Hauswand geschrieben: Helme gibt es deshalb nicht, Licht vereinzelt. Aber ein wunderbares Freiheitsgefühl beim Düsen durch die Pampa.

Putin 2.0

Wo bin ich hier gelandet?  Wer ist hier das Rindviech und warum ich mir Fotoposen der russischen Herrschers abschaue – das erzähle ich die Tage.  De facto hatte ich vorgestern versehentlich 2 Meldungen veröffentlicht und jetzt fehlt mir eine.  Deshalb dieser Bildschöne Teaser.

Meine Hood

Das ist meine Hood in Belem. Unheimlich malerisch, könnte man sagen. Der Weg von meiner Pousada aus an den Fluss, so 15 Minuten, ist düster und eher abenteuerlich. Sehr verfallen sind die Gemäuer, die Nutten am Straßenrand durchaus nicht und auch die Hunde kläffen halbwegs fröhlich. Wären sie besser still, es tät mich beruhigen. Unversehens kommt mir die Frage: Sind meine Innenbänder vom Knieschlottern so ausgeleiert?

 

Ver-o-peso – der Star ist der Markt

Belem erinnert mich frappierend an Manaus. Vergangene Pracht, in Ansätzen noch erkennbar. Alles heruntergekommen und auch die Einfallstraßen mit ihren typischen Fußgängerbrücken scheinen vom selben Architekten zu stammen. Belem ist immer noch ein wichtiger Hafen und war im Kautschuk-Boom eben auch reich. 400 Jahre alt in 2016 geworden, stammt der Name Belem übrigens von Bethlehem ab. Vermutlich kommen deshalb viele Gebäude im Baustil dem dortigen Eselsstall sehr nahe.

Um den Neidfaktor klein zu halten: Es hat heute in Belem fast den ganzen Tag geregnet. Richtig geregnet, alles nass bis auf die Unterbuxe. Die letztminütige Investition in die Regenhülle für den kleinen Rucksack hat sich schon gelohnt. Prachtstück in Belem ist der Markt Ver-o-peso mit den blauen Türmen der (Fisch)Markthalle, dort wird entsprechend der Übersetzung „nach dem Gewicht geschaut“. Generell wird alles angeboten, was die Landwirtschaft und der Wald so hergeben. Ein paar Fußballtrikots aus Bangladesch gibt’s auch noch. Das Mittagessen serviert Gisela. Ihr Mann ist abgehauen oder verstorben. Ihre wegwerfende Handgeste in Richtung Himmel konnte ich nicht sicher deuten. Da gibt es doch noch leichte Sprachprobleme. Aber ich versuche mein Portugiesischwissen, Lektion 5-8 VHS München, anzubringen. Gisela kocht zweifelsohne sehr gut, sie wird sicher bald einen neuen Mann finden.

Über dem Markt sind dann auch noch Open Air Bars direkt am Wasser. Fantastische Aussicht. Fußball und Bier sind die Renner dort. Auf die Toilette rennt leider keiner, gepisst wird bestenfalls über das Geländer in den Fluss. Oder auf den Schuh. Das ist einigermaßen ernüchternd und so unschön wie es erniedrigend aussieht. 100 Meter weiter kommt dann übrigens das neue Hafengelände. So eine Art Münchner Schrannenhalle am Pier mit schickeren Restaurants und Bieren. Eine Amazon-Brauerei ist da auch drinnen. Aber gemütlicher und spannender ist‘s schon in Volksnähe.

Willkommen in Amazonien

Wenn man in den Flughafen Belem reinfliegt, ich glaube es heißt korrekter anfliegt, dann ist das schon wahnsinnig beeindruckend von oben. Wasser und Wald im Übermaß. Das Sehvergnügen des brasilianischen Regenwaldes war durchaus hart erkämpft, ein etwas unruhiger Flug. Ich kann jetzt das Vaterunser auf Portugiesisch. Die TAP-Flugesellschaft hat sich gut geschlagen, eines der besten Flugzeugessen, an das ich mich erinnern kann. Warum allerdings gibt es 1 Minibrötchen und 2 große Scheiben Käse und 3 Scheiben Wurst? Zum Einpacken? Das sind die Geheimnisse der Flugzeugküche, die ich nie verstehen werde. Zumindest den üblichen Schmierkäse, der überall klebt statt auf dem mageren Brot, habe ich nicht vermisst.

So bin ich in der Hauptstadt des Bundesstaates Para gelandet, Milionenstadt im Norden Brasiliens, das Tor zu Amazonien. Der Amazonas-Steg mit Brauerei ist teilweise herausgeputzt, der Hot-Dog-Verkäufer am Straßenrand putzte sich dagegen lautstark die Nase und versuchte verzweifelt, sein kleines Würstchen heiß zu kriegen. Es gelang mäßig, aber ich hatte Hunger. Die Moral von der Geschicht: Flugzeugessen tut lange vorhalten nicht.

Iguazu: Wo die wilden Bäche rauschen

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„Where are your from?“ schallt es düster durchs Taxi-Autofenster- und schon wieder ne Knarre vor der Nase. Ich denke es war eine Taurus PT 911 9 mm, kenne mich da inzwischen ein wenig aus. Wenn die brasilianische Security Paramilitär spielt und Touristen empfängt hat das nur bedingt Charme. Ich meine: Wie schnell ist der Typ ausgerutscht –peng- und mein Kadaver wird zwischen ausgepressten Caipirinha-Limetten und Windeln in einem Hinterhof-Müllcontainer in Foz do Iguazu entsorgt? Ich meine echt, wie schnell ist sowas passiert?

Auf jeden Fall hatte ich mich entschlossen, die Iguazu-Wasserfälle des gleichnamigen Flusses doch noch mal von der brasilianischen Seite anzuschauen. Wenn man schon mal da ist. Wie breit gefächert sie sind, dass realisiert man von der argentinischen Seite kaum. Deren Besuch ist jedoch –müsste ich wählen- vorziehen würde. Dort ist man mehr „in“ den Wasserfällen, von Brasilien aus mehr Betrachter. Die größte Gefahr dort: Erblindung durch unkontrolliert umherschlagende Selfie-Stickstangen fotogeiler Brasilianer.

 

 

Lass es regnen, Paulo

Kaum in Sao Paulo angekommen, musste ich gleich ein TV-Interview geben. Da hatten mich die Paparazzi wieder mal erwischt, es ging irgendwie um Hotels und Fußball-WM. Der Fernsehmann sagte, ich war großartig. Was soll er sonst auch sagen? In Sao Paulo ist alles irgendwie anders als bisher. Das fängt an bei den beschrifteten Bushaltestellen. Neulich hielt sogar ein Auto am Zebrastreifen. Hier gibt es wirklich Menschen die denen in den Telenovelas ähnlich sehen. Badeschlappen und Shorts sind out, man macht sich ein wenig schick und  läuft mindestens 1 Stundenkilometer schneller. Und entgegen ihrem Ruf sind die Leute wahnsinnig freundlich und scheinen sich echt zu freuen, wenn man ihre Stadt besucht.

Sehr schön fand ich das Begrüßungsritual vom Heiligen Paul für mich. Er ließ es monsunartig und unaufhörlich regnen. Deshalb konnte ich leider nicht auf die Aussichtsplattform des Edificio Martinelli. So wechselte ich stündlich die Kleidung, stellte mich mit Seife raus auf die Straße und hatte in einem halben Tag meine ganze Wäsche gewaschen. Außerdem war in der Stadt wohl gerade der nationale Kongress der Obdachlosen. Die Plätze und  Parks in der Innenstadt sind quasi nicht zu besuchen, Penner und Polizei besetzen sie bereits. Etwas groß und voll ist es hier schon, aber ich würde jederzeit wiederkommen.

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Olé, Olé, Olée

Hier macht Pele macht hier keine Werbung für Impotenz sondern ist Sportler und auch die Choreografien des BVB-Fanblocks werden gewürdigt. Das Fußballmuseum in Sao Paulo huldigt den (brasilianischen) Fußball und liegt unter den Tribünen des ehrwürdigen WM-Stadions von 1950, „Estádio do Pacaembu“. Dort spielen die Vereine Corinthians und Palmeiras. Das Museum erzählt Brasiliens Fußballgeschichte von Anfang an und ist ein ziemlicher Traum. Ich habe selten ein Museum gesehen, in dem so viel Liebe steckt, bis hin ins kleinste Detail. Sehr emotional sind alten Radio- und TV-Aufzeichnungen und die Installation mit Fan-Gesängen unter den Betonpfeilern des Stadions. Stolz ist man immer noch auf den letzten WM-Titel gegen Deutschland. Ich glaube, hier wissen mehr Leute, dass Deutschland 2002 im Finale stand als zu Hause. Naja, war ja auch eher eine glückliche Fügung. Auf jeden Fall ein Super-Museum und gratis, vielleicht sollten die Herren der Bayern-Welt hier mal einen Blick reinwerfen.

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