Leh: Der Buddha wartet

Auf geht’s nach Leh, Ladakh, im nordindischen Bundesstaat Jammu und Kashmir. Hatte ich auf einem Foto gesehen und dann war eigentlich klar, dass ich da hin will. Die Flugreise von Delhi ist schon mal atemberaubend mit den Gipfeln des Himalaya. Die Landung auch etwas Atem raubend, man fliegt doch recht nahe an und über den Bergen. Außerdem setzte nach einer Weile die 3500 Meter doch ganz schön zu. Ein Kopf wie nach einer durchzechten Nacht.

Neben dem Buddha wartet allerdings auch Kälte und ein einfaches Leben. Der Blick vom Balkon auf die Bergkette entschädigt ebenso wie die unglaublich freundlichen Menschen. Sie scheinen wohl sehr in sich zu wohnen. „Julley“ heißt das Zauberwort für Hallo, Wie geht’s, auf Wiedersehen, irgendwie alles.


Werbeanzeigen

Taj Mahal: Pure Erhabenheit

„Show me your body! Move to the right, let’s make it baby.“

„Fuck off, this is my place, bloody bastard!“

So hatte sich das Großmogul Shah Jahan das sicherlich nicht vorgestellt mit der Huldigung seiner geliebten Frau, für die er die Ruhestätte Taj Mahal ab 1631 bauen ließ. Doch Influencer-Fotosessions und imperiale amerikanischen Rentnerfurien holen das Mausoleum in die gesellschaftliche Wirklichkeit.

Die Wahrheit ist auch: Der Taj Mahal im Sonnenaufgang und im Morgenlicht ist von einer wahnsinnigen Schönheit und Geschmeidigkeit. Auch das Innere des marmornen Mausoleums, ist ausnehmend elegant. Wer erinnern uns: Mogul Shah Jahan blickte vom Red Fort in Agra auf die Ruhestätte seiner Frau. Wohin sie schaute, bleibt ihr Geheimnis.

Red Fort in Agra: Meisterwerk rot-weiß

Das Red Fort in Agra ist eine Wucht, hatte ich jetzt gar nicht so auf dem Schirm. Mogulkaiser Akbar dem Große bewies 1565 guten Geschmack und auch seine Nachfolger. Besonders Großmogul Shah Jahan, ließ er doch für seine im Kindsbett verstorbene Frau den Taj Mahal errichten. Den sieht man vom Wohnzimmer des Herrschers im Red Fort aus. In dem Anwesen erscheint einem jedes Mal, wenn man um die Ecke biegt, eine neue Welt aus Toren, Türmen und Gebäuden, gebaut aus Sandstein oder Marmor. Unglaublich schön und man sieht vor dem inneren Auge, wie der Mogul mit seinen Ministern thronte und die Konkubinen  in den Zimmern erwartungsvoll warteten. Für die wurde übrigens über die Knospe ihrer zarten Jugend hinaus gesorgt, versicherte man mir.

Göttliches Anwesen und Quickie in Karauli

In Karauli ist ein Highlight die Unterkunft: Banwhar Vilas Palace. Der Traum eines ländlichen Anwesens mit kolonialem Pomp, Pferde- und Autogarage. Und guter Landluft. Auf dem Bett, das ca. 4.6 Meter groß ist, komme mir vor wie ein Maharadscha. Die Anlage gehört den Abkömmlingen des Gottes Krishna . Vermutlich war ich Gott selten so nahe. Krishna war nämlich in Menschenform auf der Welt, deshalb die Nachfahren. So, als ob Jesus Kinder gehabt hätte. Die indische Reiseleiterin ist vom Vergleich nicht vollends überzeugt.


Traumhaft: die Unterkunft Banwhar Vilas Palace

Wegen dieser religiösen Konstellation besitzt auf jeden Fall der Tempel der Stadt eine besondere Bedeutung und meine erste Hindi-Prozession wirkt auf mich eindrucksvoll. Dennoch überlasse ich den rhythmischen Bewegungsteil den Tänzerinnen, ich treffe sie vor dem Tempel und wünsche Ihnen „Have fun“. Vielleicht wäre God Luck passender? Oder Hals- und Beinbruch? Ich weiß ja auch nicht, was man sich auf Hindi vor religiösen Showeinlagen wünscht.

Die Menschen in Karauli sind wahnsinnig freundlich. Ich gehe durch das Dorf und komme aus dem Winken kaum raus. Es ist wie ein Gang durchs Spalier der Verkäufer, Kunden, Neugierigen. Manchmal springt eine/r zu einem, sie wollen etwas Small Talk führen, um ihr Englisch zu praktizieren. Nach 5-10 Minuten springen sie dann wieder weg und waren nie mehr gesehen. Ein Gesprächs-Quickie quasi.

Weckt Träume: der „Palast der Winde“

Der „Palast der Winde“ (Hawa Mahal), welch ein klangvoller Name. Welch ein berauschendes Gebäude von 1799 in Jaipur. Auch wenn die Inder beim Restaurieren etwas übertrieben haben – als hätte der Designer von Disney World die Projektleitung innegehabt. Es hat was von Zuckertorte und auch hier fing es um die süßen Dinge des Lebens. Die Damen des Hofes konnten so ungesehen die Prozessionen auf der Straße beobachten. Gut gekühlt durch eine raffinierte Luftzirkulation.

Jaipun selbst ist eine der Touri-Hautstädte Indiens, wirkt dennoch nicht umwerfend abseits der absoluten Sehenswürdigkeiten. Ein ziemliches Moloch. Außerdem wird gerade eine Bahn durch die Stadtmitte gebaut, was zudem schlimm aussieht. Jaipur heißt die „Pink City“, da sie zu Ehren des bevorstehenden Besuchs von Kronprinz Albert Eduard 1876 pink angestrichen wurde, einige Häuser haben das fortgeführt. Dust-City würde aber auch passen.

Jaipur: Erotisches aus dem Amber Fort

Forts sind irgendwie wichtig in Indien. Der Bollywood-Film, den ich sah, ging um ein Fort und das Amber Fort thront -neben weiteren- über Jaipur, Hauptstadt von Rajastan. Die Schönheit des Forts, Baubeginn Ende des 16. Jahrhunderts zu Mogulherrschaftszeiten, lässt sich auf den Fotos nur erahnen. Am beeindruckendsten ist der Spiegelsaal – vor allem, wenn ich drinnen stehe. Steht man in den offenen Räumen mit den sichtbaren Gardinenhaken kann ich mir vorstellen, wie die Gardinen locker um die Räume wehen, in der Mitte ein Bett umrahmt von Spiegeln, die Diener fächeln Luft zu und die gebratenen Tauben schwirren fangbereit umher, während die Bautänzerin klappernd ihre Hüften kreisen lässt. So das Stimmungsbild.

Amber Fort
11 km lang ist die Mauer, die im Hintergrund über die Berge führt

Historisch gesehen ging es im Fort vor allem darum, mit welcher seiner Frauen der König wann schläft. Zumindest wenn man unserem Guide glauben darf. Kam der König aus Agra oder Delhi, versteckte er sich im Keller und die Frau, die ihn zuerst fand, kam zuerst in den Genuss seiner aufgestauten Wiedersehensfreude. Es war halt alles noch sehr romantisch damals. Heute verstecken sich die Männer vor ihrer Frau in der Garage und hoffen, dass sie niemals gefunden werden.

Religion erleben und entdecken

Du fühlst Dich angenommen und geborgen – im Sikh-Tempel. Eine schöne Erfahrung und ich denke, ein Turban stünde mir auch gut. Nur die Farbe Gelb kleidet mich weiterhin leider nicht. Wenn ich allerdings einen himmelblauen Turban mit himmelblauem Polo tragen würde – das sähe bestimmt fantastisch aus. Oder in flaschengrün, das passte auch immer gut zu meinem Teint. Dieser ist für die Bonbonfarben dann wiederum etwas zu blass. Die überlasse ich den Indern.

Worauf wollte ich hinaus? Genau, ich hatte die Sikh (Religion: der Sikhismus) irgendwie in schlechter Erinnerung, weil ich sie mit der Ermordung Indirah Ghandis 1984 in Verbindung brachte (die mordenden Leibwächter gehörten zur Religion). Da hatte die viertgrößte indische Religionsgemeinschaft sehr drunter zu leiden, Progrome folgten. Dabei ist Sippenhaft nun immer eine schlechte Problemaufarbeitung.

Im Sikh-Tempel gerät man schnell in Trommeltrance, es gibt auch keine Geschlechtertrennung und ist eine lockere, rege und freundliche Atmosphäre. Es wird auch hier an allen möglichen Türecken, Fensterrahmen und Buchandachten geküsst, gebückt, bekreuzigt. er trotzdem wirken die Leute sehr normal.

Angeschlossen an den Tempel ist eine Küche mit Riesentöpfen. Sie versorgt jeden kostenlos mit Essen, egal welche Religion, welcher Nationalität, welches Geschlecht. Auf den Boden setzen und reinhauen.

Ursprünglich haben sie mich eingeschüchtert durch ihre auffällige Erscheinung, die Sikh, und jetzt bin ich mal eines besseren belehrt. So soll es sein.