Die wilden Camper

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Es geht per Boot zum Campen in den Dschungel. Was macht man nicht alles mit auf die alten Tage. Lager aufschlagen, Holz hacken, Essen zubereiten. Ein zerteiltes Hühnchen liegt im Eimer, wie stecken die Teile auf einen langen Holzspieß. Wusstet Ihr, dass Hühnchen nicht nur aus Brustfilet und Keule besteht? Also diesen blutig-blass-pelligen Anblick werde ich nicht vergessen, ich brauche psychologische Behandlung. Am besten von Kentucky Fried Chicken. Guide Toni macht aus Blättern Teller und schnitzt Löffel. Das hat Stil. Die restliche Dschungelbesatzung mit dem Esprit eines Faultieres in Winterstarre.

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Das schönste am Dschungel sind ja die Geräusche und mein liebstes das Affengebrüll. Das hört man im Freien in der Hängematte noch intensiver. Ansonsten habe ich alle Insektengattungen bis hin zur Tarantulla persönlich begrüßt. Die Schauermärchen vom Schwarzen Jaguar -oder wars der rosarote Panter- beim nächtlichen Pinkeln haben sich nicht erfüllt. Ach Gott, was soll ich lügen, wie toll das alles sei: Campen ist glaube ich nicht meins.

 

Herr Kaiman: bitte zur Musterung vortreten

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Affen, Faultiere und Delfine suchen, Piranha angeln und Kaimane fangen sind die üblichen Beschäftigungen hier. Nun sind wir nicht im Zoo, die Erfolge sind überschaubar. Ebenso meine Angeltriumphe, kein Piranha will anbeißen. Bei den anderen zuweilen schon, auffällig ist der Piranha mit rotem Bauch, angeblich der aggressive. Alle kleinen Fische landen wieder im Fluss, ich wollte sie eh nicht essen. Kaiman fangen gehört zum Standardprogramm der Amazonas-Guides, ich bin da sehr zwiespältig. Seine funkelnden Augen verraten den Kaiman nachts, vom Boot aus packt der Guide zu. Das Tier, ca. 6 Monate, fiept, vermutlich vor freudiger Erregung, könnte aber auch Angst sein. Nach menschlicher Begutachtung und Erklärungen inklusive Geschlechtsdefinition schwimmt es wieder davon. Also, im Grunde war es für ihn wie bei der Musterung zur Bundeswehr. Ich zumindest werde mir nie mehr Cowboystiefel aus Krokoleder kaufen – auch wenn mich die Absätze 3 Zentimeter größer machen.

Nette Geschichte: In tiefster Dunkelheit kommen mit dem Boot ein Unternehmensberater und Freundin aus Frankfurt in der Lodge vorbei. Nicht beruflich, ihr Guide hat keine Batterie mehr für die Taschenlampe. Der Teufel sitzt bekanntlich im Detail. Sie verbringen eine Woche im Dschungel, vermutlich um dem Burnout zu entkommen. Gut drauf sind sie allemal. Innerhalb einer Stunde mehr Spaß als mit manch anderen in drei Tagen.

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Dschungelcamp Brasilien 2017

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Wer ist schöner, qualitativ hochwertiger und schmeckt besser? Der guyanische oder brasilianische Urwald? Ich werde es Testen. So wie diese Vielzahl an überflüssigen Tests in ARD und ZDF zu irgendwelchen Marken. Nur Spaß, ich werde den Test einfach leben. Das praktische an Manaus ist wirklich, dass die Wege in den Dschungel so kurz sind, in 2-3 Stunden ist man in einer anderen Welt. (Ein Punkt für Brasilien :- ) Von der Stadt geht es zum Hafen, dafür durchquert man das riesige Industriegebiet. Steuerbefreiung haben alle Riesenfirmen angelockt: Sony, Toshiba, Procter und Gamble und BMW wohl auch. Vom Hafen gehen dann die Boote über das „Zusammentreffen der Wasser“. Dort wo die Flüsse Rio Negro und Rio Salamoes farblich nebeneinander herfließen, bevor sie offiziell den Amazonas bilden. Das sieht von oben vom hohen Schiff einfach toll aus. Leider sitze ich unten mit dem Wasser auf Augenhöhe.

Mit dem VW Bully geht es dann zum Boot, dass einen zunächst zur Lodge bringt. Der Weg dorthin ist wirklich atemberaubend schön, das Wasser ein einziger Spiegel. Würden sich die Seelen spiegeln, gäbe es neben meiner reinen Seele die einer eifrigen, intelligenten Chinesin zu begutachten sowie die zweier Amerikaner und des Guides Toni, der sehr lebendig die Natur liebt.  Die Lodge ist einfach und gut, das Vorhandensein von elektrischem Licht schockiert mich fast. Gott sei Dank ist die Lodge nicht zu sauber, das hätte ich nach all den Wochen so abrupt nicht ertragen. Aufgrund pausierender Delfinvorführungen-, ist der grandiose Sonnenuntergang der absolute Höhepunkt des Tages. Das wird man fast zum Romantiker. (ein Minuspunkt Brasilien)

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Treffen jder Wasser, der Amazonas entsteht offiziell

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Schul“bus“

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Von Fledermaus und Zauberflöte

Wer mir folgt, weiß nun vermutlich wo ich hier (wieder einmal) gelandet bin. Ein Besuch der Stadt lohnt, wenn auch fast nur wegen dem Theater. Ich habe diesmal eine Innenbesichtigung gemacht, äußerst beeindruckend, was man vor 121 Jahren auf die Beine stellte. Die prachtvolle Kuppel des Theatres, das knapp 600 Besucher fasst, sieht man auf den Fotos leider nie so git. Ansonsten ist die ehemalige Kautschuk-Welthauptstadt weiterhin ein rechtes Moloch mit wenigen schönen Ecken. Ich mache mich ab in den Dschungel.

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Detail aus dem Bankettsaal

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Deutsche Star-Schriftsteller verewigt

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Blick vom Balkon

Essequibo: Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss

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Auf den Bildern kommt es vielleicht nicht so rueber, aber fuer mich sind die Bootsfahrten auf dem Essequibo das Highlight schlechthin. Als wir ankamen dachte ich noch: Oh Gott, Ingo, diesmal hast Du Dich uebernommen,mit dieser Nussschale auf dem riesigen Fluss, auf nimmer wiedersehen. Aber es war ein Traum, mit den Inselchen, leichten Stroemungen, Seitenarmen, Voegeln, Papageien und so weiter. Jeder Baum am Ufer ist ein eigenes Kunstwerk und mit dem Wald auf eigenstaendige Weise verwoben. Und als ich dann mal Kuehler- oder besser gesagt Bugfigur spielen durfte, also besser gehts nicht.

Mit Fischaugen und Affengebrüll

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Mein Wald und Wiesen Guide ist Kentan, 25 Jahre, Bootsmann, Bauer und Goldsucher. Wie er stolz erzählt. In Gold setzen hier alle ihre Hoffnung, ungeachtet der Quecksilbervergiftung. Mit 25 gilt es ja auch bereits mindestens 3 Kindermünder zu ernähren. Sehr bewundere ich an Kentan sein Barfußlaufen. Ich mochte das ja nie, und im Dschungel wäre gar nicht dran zu denken. Die Riesenfische hier sind sehr beeindruckend und werden in der Regel wieder freigelassen, mein kleines Exemplar wird allerdings verspeist. Wier mich dieses goldene Geschöpf mit seinen roten Augen -sind sie verweint?- anschaut, also mir bricht es fast das Herz. Es schmeckt dann allerdings überragend. Das fasziniernede hier auf dem Essequibo in Guyana  ist: Es gibt keinen Bootsverkehr, keine Touristen. Wir haben mit dem Boot zum Angeln auf einer kleinen Flusssandbank angelegt. Die Kaimane lassen sich nicht blicken, zu wenig Sonne zum Sonnenbaden. Plötzlich startet ein ungeheures Affengebrüll im Wald. Sollen wir nachschauen, was los ist? Und schon geht es in jden Wald, Kentan hat den Weg frei. Als wir ankommen ist wieder alles ruhig, zwei feuerrote Affen schlafen in jden Baumgipfeln, die kleinen Kapuzineräffchen hopsen mit Jungen auf dem Rücken umher. Die Affenverstecken sich, zeigen sich, es ist halt kein Zoo.

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In der Dschungellodge

1_P1170779Es geht in die Dschungellodge, mehrere Studen mit dem Auto und dann mit dem Boot über Guyanas größten Fluss, den Essequibo, 1000 km lang und viert- oder fünftgrößter Fluss Südamerikas (je nach Kriterium). Die Rupununi-Landschaft auf der Jeepfahrt wechselt von Savanne über bergig in Urwald. Die Straße ist durchsetzt von Schlaglöchern, das Resthirn fliegt durch das nicht vorhandene Schiebedach davon. Wir gleiten an Autos mit Achsenbruch sicher vorbei. An einem Doerfchen erhalte ich eine Kokussnuss zum trinken, direkt neben einer Fluglandepiste. Es ist absurd, sie wurde fuer die Landung Prinz Harrys letztes Jahr hergerichtet. Obwohl die feine Piste dort so niemand braucht. Man ist aber schon stolz ueber den koeniglichen Besuch.

Die Lodge liegt nach einer lñgeren Bootsfahrt traumhaft, es gibt in dieser Gegend sonst niemanden. Außer das Lodgepersonal und ein älteres amerikanische Ehepaar, mit leichten Gebrechen und viel Humor ausgestattet. Er ist Sportfischer und auf der Suche nach dem größten Süßwasserfisch der Welt. Der Arapaima ist riesig, 2,50 oder so und 100Kilo, John wird fündig. Der Guide meint, pro Jahr kommen nur 3000 internationale Touristen nach Guyana. Wenns stimmt, wäre ich in recht exklusiver Gesellschaft. Der Nachteil sind die Kosten: Der Guyana Dschungeltrip ist sehr teuer, im Grunde nach Galapagos meine zweitteuerte Tour. Um später noch die berühmten Kaieteur-Wasserfälle zu besuchen bleibt kein Geld.

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An der goldenen Sandbank ist die Lodge

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Am Flussanlegeplatz

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Blick von der Lodge