Göttliches Anwesen und Quickie in Karauli

In Karauli ist ein Highlight die Unterkunft: Banwhar Vilas Palace. Der Traum eines ländlichen Anwesens mit kolonialem Pomp, Pferde- und Autogarage. Und guter Landluft. Auf dem Bett, das ca. 4.6 Meter groß ist, komme mir vor wie ein Maharadscha. Die Anlage gehört den Abkömmlingen des Gottes Krishna . Vermutlich war ich Gott selten so nahe. Krishna war nämlich in Menschenform auf der Welt, deshalb die Nachfahren. So, als ob Jesus Kinder gehabt hätte. Die indische Reiseleiterin ist vom Vergleich nicht vollends überzeugt.


Traumhaft: die Unterkunft Banwhar Vilas Palace

Wegen dieser religiösen Konstellation besitzt auf jeden Fall der Tempel der Stadt eine besondere Bedeutung und meine erste Hindi-Prozession wirkt auf mich eindrucksvoll. Dennoch überlasse ich den rhythmischen Bewegungsteil den Tänzerinnen, ich treffe sie vor dem Tempel und wünsche Ihnen „Have fun“. Vielleicht wäre God Luck passender? Oder Hals- und Beinbruch? Ich weiß ja auch nicht, was man sich auf Hindi vor religiösen Showeinlagen wünscht.

Die Menschen in Karauli sind wahnsinnig freundlich. Ich gehe durch das Dorf und komme aus dem Winken kaum raus. Es ist wie ein Gang durchs Spalier der Verkäufer, Kunden, Neugierigen. Manchmal springt eine/r zu einem, sie wollen etwas Small Talk führen, um ihr Englisch zu praktizieren. Nach 5-10 Minuten springen sie dann wieder weg und waren nie mehr gesehen. Ein Gesprächs-Quickie quasi.

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Religion erleben und entdecken

Du fühlst Dich angenommen und geborgen – im Sikh-Tempel. Eine schöne Erfahrung und ich denke, ein Turban stünde mir auch gut. Nur die Farbe Gelb kleidet mich weiterhin leider nicht. Wenn ich allerdings einen himmelblauen Turban mit himmelblauem Polo tragen würde – das sähe bestimmt fantastisch aus. Oder in flaschengrün, das passte auch immer gut zu meinem Teint. Dieser ist für die Bonbonfarben dann wiederum etwas zu blass. Die überlasse ich den Indern.

Worauf wollte ich hinaus? Genau, ich hatte die Sikh (Religion: der Sikhismus) irgendwie in schlechter Erinnerung, weil ich sie mit der Ermordung Indirah Ghandis 1984 in Verbindung brachte (die mordenden Leibwächter gehörten zur Religion). Da hatte die viertgrößte indische Religionsgemeinschaft sehr drunter zu leiden, Progrome folgten. Dabei ist Sippenhaft nun immer eine schlechte Problemaufarbeitung.

Im Sikh-Tempel gerät man schnell in Trommeltrance, es gibt auch keine Geschlechtertrennung und ist eine lockere, rege und freundliche Atmosphäre. Es wird auch hier an allen möglichen Türecken, Fensterrahmen und Buchandachten geküsst, gebückt, bekreuzigt. er trotzdem wirken die Leute sehr normal.

Angeschlossen an den Tempel ist eine Küche mit Riesentöpfen. Sie versorgt jeden kostenlos mit Essen, egal welche Religion, welcher Nationalität, welches Geschlecht. Auf den Boden setzen und reinhauen.

Ursprünglich haben sie mich eingeschüchtert durch ihre auffällige Erscheinung, die Sikh, und jetzt bin ich mal eines besseren belehrt. So soll es sein.

Lotustempel Delhi: bringt den Glauben an die Menschheit zurück

Sehr jung gegenüber den ganzen historischen Gemäuern ist der Lotustempel, gebaut bis 1986. Es ist verlässlich überliefert, dass die Meisterkomposition „Lotusblume“ der deutschen Superband „Die Amigos“ als Inspiration für das architektonische Wunderwerk gedient habe. Die Bahai-Anhänger sind mit dem Ergebnis zufrieden. Sei sind ohnehin sehr cool und Glauben an die Einheit der Menschheit in ihrer Vielfältigkeit. Also: besser geht’s doch kaum. Entsprechend klein ist auch die weltweite Gemeinde der Bahai mit 8 Millionen Anhängern. Und die alle müssen am Eingang die Schuhe ausziehen, hier in Delhi, bereits 200 Meter vor Betreten des Tempels. Und wenn man Löcher in den Socken hat, zieht man die am besten auch mit aus. Dann wäre es nicht so peinlich gewesen.

Was soll ich sagen? Ich mag die Harmonie: ob architektonisch strahlend wie der Tempel oder als Songklassiker der Amigos.