Red Fort in Agra: Meisterwerk rot-weiß

Das Red Fort in Agra ist eine Wucht, hatte ich jetzt gar nicht so auf dem Schirm. Mogulkaiser Akbar dem Große bewies 1565 guten Geschmack und auch seine Nachfolger. Besonders Großmogul Shah Jahan, ließ er doch für seine im Kindsbett verstorbene Frau den Taj Mahal errichten. Den sieht man vom Wohnzimmer des Herrschers im Red Fort aus. In dem Anwesen erscheint einem jedes Mal, wenn man um die Ecke biegt, eine neue Welt aus Toren, Türmen und Gebäuden, gebaut aus Sandstein oder Marmor. Unglaublich schön und man sieht vor dem inneren Auge, wie der Mogul mit seinen Ministern thronte und die Konkubinen  in den Zimmern erwartungsvoll warteten. Für die wurde übrigens über die Knospe ihrer zarten Jugend hinaus gesorgt, versicherte man mir.

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Red Fort: roter Stolz

Nach Dehli zu kommen ist einfach. Ein bequemer Flug von München. Das aufregendste war die ausgefallene Münchner U- und S-Bahn und damit verbunden zeitliche Ängste. Die Immigration am Flughafen sehr schnell und freundlich, das kenne ich aus anderen Ländern anders.

Empfang des Red Fort

Gleich mal in die kulturellen Vollen: Die alte riesige Festungsanlage Red Fort ist so wie eine Alhambra auf Indisch. Zwischen 1639 und 1648 im Mogulreich erbaut. Kein Wunder also, das fast alle Gebäude mehr oder weniger kaputt sind und man fast nichts betreten darf. Aber die Geschichte ist bewegt, auch der Britische König Georg V. nebst Gattin residierte nach seiner Proklamation zum Kaiser von Indien 1911 mit Gattin Maria im Roten Fort. Da wird einem die ganze Kolonial-Absurdität doch mal richtig vor Augen geführt. Also nicht falsch verstehen: Dass man hier so gut in Englisch kommunizieren kann, finde ich schon sehr prima.

in der Anlage des Red Fort

„Man kann da nur schauen, da gibt’s nichts zu tun“, stellte ein wachender Polizist treffend fest, mit ich mich lange unterhielt. Einige Museen gibt es wahrheitsgemäß schon auf dem Gelände: zum Unabhängigkeitskampf und den Kriegserfolgen von Indien. Wusste gar nicht, dass die in den Weltkriegen so aktiv und immens erfolgreich waren. Die Engländer kommen dabei so gut weg wie es sonst den Deutschen vorbehalten ist. Ein Museum für indische Satirezeichnungen und Malerei gibt es auch. Das war in der Tat ganz nett, da war ich allerdings schon leicht dehydriert und habe nur noch bunte Kreise gesehen und versucht sie zu fangen. Auf dem ganzen Areal gibt’s nämlich keine Gastronomie und keinen Kiosk. Hat vermutlich was mit Ehrerbietung zu tun?