Weckt Träume: der „Palast der Winde“

Der „Palast der Winde“ (Hawa Mahal), welch ein klangvoller Name. Welch ein berauschendes Gebäude von 1799 in Jaipur. Auch wenn die Inder beim Restaurieren etwas übertrieben haben – als hätte der Designer von Disney World die Projektleitung innegehabt. Es hat was von Zuckertorte und auch hier fing es um die süßen Dinge des Lebens. Die Damen des Hofes konnten so ungesehen die Prozessionen auf der Straße beobachten. Gut gekühlt durch eine raffinierte Luftzirkulation.

Jaipun selbst ist eine der Touri-Hautstädte Indiens, wirkt dennoch nicht umwerfend abseits der absoluten Sehenswürdigkeiten. Ein ziemliches Moloch. Außerdem wird gerade eine Bahn durch die Stadtmitte gebaut, was zudem schlimm aussieht. Jaipur heißt die „Pink City“, da sie zu Ehren des bevorstehenden Besuchs von Kronprinz Albert Eduard 1876 pink angestrichen wurde, einige Häuser haben das fortgeführt. Dust-City würde aber auch passen.

Jaipur: Erotisches aus dem Amber Fort

Forts sind irgendwie wichtig in Indien. Der Bollywood-Film, den ich sah, ging um ein Fort und das Amber Fort thront -neben weiteren- über Jaipur, Hauptstadt von Rajastan. Die Schönheit des Forts, Baubeginn Ende des 16. Jahrhunderts zu Mogulherrschaftszeiten, lässt sich auf den Fotos nur erahnen. Am beeindruckendsten ist der Spiegelsaal – vor allem, wenn ich drinnen stehe. Steht man in den offenen Räumen mit den sichtbaren Gardinenhaken kann ich mir vorstellen, wie die Gardinen locker um die Räume wehen, in der Mitte ein Bett umrahmt von Spiegeln, die Diener fächeln Luft zu und die gebratenen Tauben schwirren fangbereit umher, während die Bautänzerin klappernd ihre Hüften kreisen lässt. So das Stimmungsbild.

Amber Fort
11 km lang ist die Mauer, die im Hintergrund über die Berge führt

Historisch gesehen ging es im Fort vor allem darum, mit welcher seiner Frauen der König wann schläft. Zumindest wenn man unserem Guide glauben darf. Kam der König aus Agra oder Delhi, versteckte er sich im Keller und die Frau, die ihn zuerst fand, kam zuerst in den Genuss seiner aufgestauten Wiedersehensfreude. Es war halt alles noch sehr romantisch damals. Heute verstecken sich die Männer vor ihrer Frau in der Garage und hoffen, dass sie niemals gefunden werden.