Letzter Halt: Olympiapark

Ich zeige Euch jetzt einfach mal, wo der Olympiapark in Rio ist, im Stadteil Barra der ewig groß ist. Rio ist ja unendlich lang und von Bergen durchbrochen. Von meiner ersten Bleibe in Leblon bis zum Olympiapark brauchte ich ca. 1,5 Stunden. Jetzt wohne ich näher. Weil ich mich aber versehentlich auf einer Insel einquartiert habe, brauche ich immer noch 1,5 Stunden.  Nur, um die Entfernungen einzuschätzen. Am Montag war ich einer der ersten Gäste der neuen U-Bahn und ich wurde gleich wieder vom Fernsehen interviewt. Jetzt geht es von Copacaba/Leblon deutlich schneller nach Barra. Darauf wartete man hier lange, die Busse mussten immer um einen Riesenberg rumfahren.

Karte Olympiapark

Das ist alles nicht so einfach mit dem Bauen, weil auf der einen Seite Meer ist, auf der anderen Seite Berge, alles bewaldet mit Wurzeln und die Korruption wuchert vermutlich ebenso. Zumindest früher. Nun ja, in Barra gabs vor 25 Jahren noch gar nichts, jetzt ist es etwas Boomtown. Von meiner Haltestelle bis zum Olympiapark fährt ein Schnellbus an gefühlten 97 Einkaufszentren vorbei. Dabei fällt mir ein Ami, den sich heute morgen im Bus beschwerte, dass es im Einkaufszentrum hier genauso aussieht wie in den USA und als er im Foodcourt Hamburger gegessen hat, fühlte er sich daheim. Das wäre ja furchtbar, er wollte doch eine andere Kultur und lokales Essen genießen. Als ob er dahin verschleppt wurde. Hohler als mein Zahn, manche Leute.

Ach so, die Olympiastätten. Vom Busterminal Olympiapark aus gesehen. Das ist nicht fertig geworden, wie man sieht. Eigentlich scheint sowieso ein guter Teil der verschönernden Bauvorhaben nicht fertig geworden zu sein, abgesehen von den Sportstätten und dazugehörenden Einrichtungen. Die Innenstadt eine Baustelle, aber das wird schon noch. Also, nach den Spielen.

Blick, wenn ich vom Busterminal runter gehe Richtung Olympiapark

Blick, wenn ich vom Busterminal runter gehe Richtung Olympiapark

 

Gaanz Links: Stadion Wasserspringen, daneben (weiß) Basketball, daneben Velodrom Radfahren, hinter dem Bus Tennis Center Court, gaanz rechts mein Pressecenter-Turm

Rio Olympiapark 2

Hinter dem Radstadion sind dann noch vier Hallen für Turnen, Ringen, Handball etc

Rio Olympiapark 3

Das schöne Tennisstadion

Tennis Center Court

Tennis Center Court

 

Pressecenter mit Turm, rechts das flache Fernsehzentrum

Pressecenter mit Turm, flach daneben das Fernsehzentrum; vermutlich kommen da auch ein guter Teil der deutschen Studioübertragungen her

Pressecenter mit Turm, flach daneben das Fernsehzentrum; vermutlich kommen da auch ein guter Teil der deutschen Studioübertragungen her

Ganz in Gelb: Immer perfekt gekleidet

Diese sportlich-frech-elegante Kombination „Olympischer Kanarienvogel“ bringt die Sonne in Ihr Haus und Herz. Die kombi-starke Blousonjacke lässt kugelrunde Bäuche verschwinden und trägt Bohnenstangen auf. Sie passt perfekt über das lässige Shirt mit frechem Zipper, dessen Muster einem fröhlich plappernden Papagei nachempfunden ist. Das olivfarbene Beinkleid schmiegt sich ähnlich einer Schlupfhose jedem Wanst an. Sie macht darüber hinaus ein schlankes Bein, die getarnte Cellulite schiebt es am Hintern wieder raus. Gewagt und doch praktisch: Für mehr Beinfreiheit ist die Hose, edel mit geripptem Saum verarbeitet, zum Bermuda umfunktionierbar. Unendlich praktisch: die am Bund hervorragend eingearbeitete Münztasche. Die bequemen Schuhe im launig-rasanten Grün runden das gelungene Ensemble ab.

Nachhaltigkeit: Nach den Olympischen Spielen werden Sie beim nächsten Kuraufenthalt in dieser jugendlichen Kombi den Speisesaal rocken und Kurschatten locken.

Kein Scherz: Die Kleidung ist super bequem und ich mag die Klamotten. Mit dem Gelb habe ich mich arrangiert.

Kein Scherz: Die Kleidung ist super bequem und ich mag die Klamotten. Mit dem Gelb habe ich mich arrangiert.

 

Das Team Communication

Das Team Communication

Akkreditierungs-Samba

Heute ist der große Tag: Ich verwandel mich ohne Mauser in einen Kanarienvogel. Die Akkreditierung Einkleidung der Olympiauniform steht an. Ich kriege die Anreise mit Bus und Bahn ganz gut hin und stehe orientierungslos am Hauptbahnhof in Rio. Breite namenslose Straßen und Kreisverkehre, mein Geist findet keinen Anhaltspunkt. Ich steige über die Menschen und sehe das Schild Sambadrom. Ach super, da ist die Akkreditierung. Im Sambadrom kann man nichts mit mir anfangen. Ich habe Sambadrom und Sambastadt verwechselt. Es muss also doch ein Taxi herhalten. In der Sambastadt läufts super, fix akkreditiert und Kleidung anprobiert. Die ist gelb-orange und steht gebräunten Brasilianern hervorragend. Westliche Europäer sehen eher aus wie Brie-Käse nach zwei Wochen im Kühlschrank. Dachte ich – nach den ersten Fotos habe ich mich in mich selbst verliebt. Der Selfiestick mein drittes Bein.

Die Cidade do Samba (Sambastadt) sind quasi die Sambagaragen der diversen Schulen. Jede scheint hier eine eigene Halle zu haben, in der die Wagen und prächtigen Karnevalaufbauten gepflegt und entworfen werden. Was davon bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele zum Einsatz kommt, werde ich nicht erfahren. Ich kann nicht zur eingeladenen Generalprobe, weil ich arbeiten muss. Dann müssen halt andere die IOC-Mitglieder doubeln.

Die Uniform gibts dann morgen zu sehen. Man muss sich ja interessant machen.

Mein liebestes Maskotzchen

Auf dieses Foto habe ich in der Rio-Gruppe gut 650 Likes auf Facebook bekommen. Böse Zungen behaupten, das läge an diesen beiden gelben Milbenfängern. Wie der Neid die Menschen gehässig macht! Das gelbe Maskotzchen nennt sich Vicinus und es soll Menschen geben, die kaufen den für 40 Euro im Olympia Mega Superstore. Nun bin ich mit meinen englischen Freunden Tom und Rachel in dieses Merchandising-Paradies an der Copacabana. Natürlich wurde ich gleich wieder für eine Zeitung aus Sao Paulo interviewt. Warum ich nach Rio gekommen bin? Na, wegen dem Superstore natürlich und dem süßen Kuschel-Maskotzchen!

Einer süér als der andere: Ich mit Maskotzchen Vicinus

Einer süßér als der andere: Ich mit Maskotzchen Vicinus

Ich wäre im Laden in fünf Minuten durchgewesen, wenn ich hätte überhaupt was kaufen wollen. England war das leider nicht. Anderthalb Stunden verlorene Lebenszeit in diesem Merchandising-Wahnsinn. Und kaum hatte ich für England bezahlt -die nehmen nur bar und VISA, da Hauptsponsor-  und wir waren aus dem Höllentor ausgetreten drehte sich England auf dem Absatz um und es gering zurück zum Umtauschen.

Ach so: Wem ich etwas mitbringen soll. Gegen eine geringe Servicefee von VB 20 % mache ich das gerne. Wunderschöne nützliche Produkte höchster Güte! Erwähnte ich das bereits? Ihr werdet Sie lieben! Ach was sag ich, ist Olympia: Ich verlange heute nur 25 % Servicefee.

Merch ingoamericano 1 kl

Morro Dois Irmaos: Nebulöse Aussichten in Rio

Während normale Leute am ersten Tag in Rio wahrscheinlich den Zuckerhut hinaufgondeln oder sich an die Copacabana legen, muss ich meine Wanderschuhe anziehen. Hatte gar nicht mit deren so schnellen Einsatz gerechnet. Aber ich mag meine Freunde ja, weil sie nicht normal und immer neugierig auf Neues sind. Es geht für uns drei auf die Bergkuppeln „Dois Irmaos“ („Zwei Brüder“, 533m). Morgens um kurz nach 8 Uhr stehen wir unten vor der Favela Vidigal und lassen uns vom VW-Bus den Berg hochbringen. Oben aussteigen und den „Einstieg in den Berg“ finden, man muss hinter Häusern einer Mauer folgen. Man weist uns freundlich den Weg. Der Aufstieg ist machbar und um halb 10 haben wir zunächst den Blick über die ersten Hochhäuser Barras und die Favela Rocinha.

Rocinha

Rocinha

Rocinha 2011

Kurze Zeit später gibt es die Aussicht über das leicht wolkenverhangene Rio von den Stränden Leblons und Ipanemas über die versteckte Copacabana bis zum Zuckerhut. Durch den Nebel wirkt alles sehr mysteriös und so fühle ich mich auch. Ein kleines Fotoshooting wird absolviert, viel los ist oben nicht, zeitweise sind wir nur zur viert. Ein sehr freundlicher brasilianischer Fotograf ist auf der Bergkuppe in Action, erklärt uns die Umgebung und es ist amüsant. Er ist zudem Schauspieler, doch wenn man in Brasilien keine Telenovelas spielen möchte, ist das Arbeitsfeld vermutlich eingeschränkt. Um 12 Uhr ist der morgendliche Spuk vorbei und es geht wieder abwärts. Es hörte sich beim verfluchten Aufstieg nicht immer so an, aber ich bereue nichts.

Ich denke, das sind die ersten Hochhäuser von Barra

Ich denke, das sind die ersten Hochhäuser von Barra

Blick aufs Meer und einige kleine Inseln vor Rio

Blick aufs Meer und einige kleine Inseln vor Rio

ingoamericano rio dois hermanos 2 kl

Fünf Fäuste für Rio

Fünf Fäuste für Rio

Fünf Fäuste für Rio

Nach dem Strand- und Inselvorgeplänkel geht’s jetzt richtig los.

„Schlagkräftige Draufgänger, Jetset-Leben, rufschädigendes Verhalten“ sind die Schlagworte des Films. Ich werde also „den Pony auf Süden stellen!“ und mein bestes geben und nacheifern. Kräfte sammel ich im Apartment in Leblon, das sauber und zweckmäßig ist. Die erste Nacht verbrachte ich bei meinen englischen Freunden eine Straße weiter. Der eine oder andere mag sich erinnern: Meine Paraguay-Reisepartner. Es ist toll, sie wiederzusehen und irgendwie auch schräg.

Das erste und einzige Mal war ich vor 5 Jahren in Rio. Es waren wilde Partys. Vermutlich kommt deshalb die Erinnerung an die Umgebung eher langsam hoch. Ich freue mich auf etwas Freizeit und schöne Arbeit! Wie die aussehen wird? Ich weiß es immer noch nicht – „Guten Tag, die Toiletten finden Sie rechts geradeaus. Einen schönen Tag wünsche ich“.

Favelas: Blick nach unten, Rio de Janeiro, Brasilien

Was für ein unvergesslicher Höllenritt: Aufsitzen und dann ging’s mit dem Motorrad-Taxi rasant und zick-zack den Favela-Berg hoch. (…)

Diese Diashow benötigt JavaScript.