Der Weg ist das Ziel

In Paraguay können auch kleine Strecken von gut 50 km tagesfüllend sein. Anbei ein paar bildhafte Impressionen einer solchen Fahrt. Zum Teil sind mehr die Begegnungen während der Reise interessant als das Ziel an sich. Mit den englischen Reisefreunden macht sowieso alles Spaß, Sie sind die besten.

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Even on the Titanic we would have fun.

06:45 von der Estancia nach Paraguari werden wir mitgenommen

07:05 Durchfragen, wo der Bus zum Nationalpark La Rosada hält; wir müssen zunächst nach Ybicui, dann umsteigen

08-09:00 Busfahrt nach Ybicui

10:00 Jetzt sollte der Bus in den Nationalpark kommen.

Nach eingehender Besprechung mit diversen Stadtbewohnern verschiebt sich die Fahrt halbstündig nach hinten. In kurzer Zeit kennt uns das ganze Dorf.

12:00 Im Nationalpark

60 km in 5 Stunden, 3 Stunden Zeit zum Wandern.

Danach gehen die Verkehrsstationen rückwärts zur Heimfahrt. Nur ganz anders.

Zur Jugendkriminalität in Paraguay: Beim Warten auf einen Bus biete ich einem dicken Mädchen einen Keks an. Sie reißt mir die Packung aus der Hand, rennt weg und mampft die Kekse hinter dem Bushäuschen.

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Iguazu: Wo die wilden Bäche rauschen

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„Where are your from?“ schallt es düster durchs Taxi-Autofenster- und schon wieder ne Knarre vor der Nase. Ich denke es war eine Taurus PT 911 9 mm, kenne mich da inzwischen ein wenig aus. Wenn die brasilianische Security Paramilitär spielt und Touristen empfängt hat das nur bedingt Charme. Ich meine: Wie schnell ist der Typ ausgerutscht –peng- und mein Kadaver wird zwischen ausgepressten Caipirinha-Limetten und Windeln in einem Hinterhof-Müllcontainer in Foz do Iguazu entsorgt? Ich meine echt, wie schnell ist sowas passiert?

Auf jeden Fall hatte ich mich entschlossen, die Iguazu-Wasserfälle des gleichnamigen Flusses doch noch mal von der brasilianischen Seite anzuschauen. Wenn man schon mal da ist. Wie breit gefächert sie sind, dass realisiert man von der argentinischen Seite kaum. Deren Besuch ist jedoch –müsste ich wählen- vorziehen würde. Dort ist man mehr „in“ den Wasserfällen, von Brasilien aus mehr Betrachter. Die größte Gefahr dort: Erblindung durch unkontrolliert umherschlagende Selfie-Stickstangen fotogeiler Brasilianer.

 

 

Stau in Itaipu

Industrieseite

Industrieseite

Der Itaipu ist der ehemals größte Staudamm der Welt, nach produzierter Energieleistung weiterhin das Maximum. Gestaut wird der Rio Parana, und versorgt fast ganz Paraguay mit Strom und einen Teil Brasiliens auch. Das gelingt, die Stromversorgung hier ist gut. Ich nehme Euch einfach mit auf die Tour.

Zuerst muss man sich einen 20 minütigen spanischen Film über die Vorteile des Damms anschauen, zwischendurch kommen Werbepausen für Touri-Highlights in Paraguay. Nachdem man aufgewacht ist, geht es zum Bus. Der fährt einen zur Industrieseite des Dammes, hier produzieren 20 Schleusen und 20 Turbinen  den Strom. Zumindest von den Schleusen sind nur sechs in Betrieb, das reicht aus. Als im letzten November die Sintflut ausbrach, wurden wohl erstmals alle 20 geöffnet. Das Wasser fließt mit ungeheurer Wucht und Schnelligkeit. Ich muss zugeben: Ausgerechnet Stromerzeugung mit Wasserkraft ist nicht mein Hobby, keine Ahnung wie das funktioniert.

1. Station Die Rutschen Industrieseite

1. Station Die Rutschen Industrieseite

1. Station Die Rutschen Industrieseite

1. Station Die Rutschen Industrieseite

 

Die Generator, megagroß

Die Generator, megagroß

Danach geht es über den Damm, es ist ein cooles Gefühl, auf der einen Seite der Megasee, auf der anderen die Turbinen und das herabstürzende Wasser. Mittendrauf, wie auf Messers Schneide, gondelt der Bus. Die Scheiben des Busses sind dunkel getönt. Vielleicht ist das gegen Hautkrebs gut? Zum Fotografieren ist es jedenfalls großer Mist. Naja, besser gesund und schlechte Fotos als umgekehrt.

Fahrt über den Damm

Fahrt über den Damm

Rutsche von Damm azs

Rutsche von Damm azs

Aufbereitung Energie im Umland

Aufbereitung Energie im Umland

Tiefgründiges aus Hohenau

Hohenau im Südosten Paraguays ist ein Städtchen mit hoher Lebensqualität. Einige Wohnviertel würden deutschen Vilenvierteln alle Ehre machen. Schöne Häuser in traumhaften Anlagen. Etwas großartiges zu sehen gibt es aber nicht. Einmal wird eine Rollerfahrerin vom Auto umgefahren und sie fliegt an mir vorbei. Das war das Beeindruckendste. Sie blieb erst regungslos liegen, stand dann auf und humpelte wimmernd davon. Geschockt, aber ohne große Verletzung, denn im ordentlichen Hohenau trägt man Helm. Damit ist das Mädel dem alten Friedhofsgärtner Rodrigo knapp von der Schippe gesprungen. Der gräbt seit 40 Jahren in Hohenau die Toten um und dekoriert sie. Auf der einen Friedhofshälfte liegen die Deutschstämmigen, auf der anderen sind die Guarani-Geister eingezogen. Viele Deutschstämmige siedelten Anfang des 20. Jahrhunderts hier an. Zum guten Teil kamen sie auch aus Südbrasilien nach Hohenau, waren bereits dort geboren und legten mit Agrarwissen den Grundstein für den kommenden Wohlstand. Die Nahrungsmittelfabrik bestimmt heute das Stadtbild. Nicht ganz so stolz ist man heute auf einen anderen Gast: Dr. Mengele suchte in Ortsnähe Unterschlupf. Das ist übrigens nicht der Doktor für dessen Butter Helene Fischer Werbung macht. Es ist der Nazi-Arzt. Der soll übrigens vor seiner Festnahme durch israelische Nazijäger aus dem Hotel Tirol geflohen sein (siehe Blogeintrag einige Tage früher). So schließt sich der Kreis.

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Gestanden auf Ruinen

 

Trinidad Panorma

Heute habe ich etwas in die deutsch-polnische Freundschaft investiert. Die ist ja durchaus angeknackst. Da dachte ich: Dann ruiniere ich sie ganz. In den Ruinen der Jesuitenmissionen, namentlich Trinidad und Jesus und 30 Kilometer von Encarnacion gelegen. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere auf die Jesuitenruinen im argentinischen Misiones. Hier das gleiche im paraguyanischen grün.

1709, also rund 100 Jahre nach den ersten Stationen, nahm La Santísima Trinidad de Paraná den Betrieb auf. Die Jesuiten und Guarani-Indianer bewirtschafteten die Gegend. Die Jesuiten besaßen das Know-how und das Sagen. Generell wird kolportiert, das Zusammenleben der Gruppen war harmonisch. Nach dem Ruinenrundgang und den empfangenen Schwingungen zu urteilen möchte ich das bestätigen. Nach 70 Jahren mit der von den Spaniern initiierten Vertreibung der Jesuiten hatte der Spaß ein krachendes Ende.

In den Ruinen lasen sich Gebäude und das damalige gesellschaftliche Leben jedenfalls schön nachvollziehen. Und als ich vor dem Altar stand hätte ich mich am liebsten Opfern lassen. Auch in diesem Weltkulturerbe war ich zeitweise der einzige, bis eben ein Pole, Michael, hinter einem Stein hervorgekrabbelt kommt und perfekt deutsch spricht. So fahren wir zur Ruine Jesús de Tavarangüe. Die ist kleiner und ebenso fein und liegt wundervoll in der leicht hügeligen Landschaft. Für die dritte Jesuitenanlage, wieder eine Weile entfernt gelegen, habe ich ein Eintrittsticket, aber keine Lust hinzufahren. Das führt fast zu binationalen Verstimmungen. Letztlich landen wir früher beim Bier in Encarnacion und sind zufrieden. Die deutsch-polnischen Beziehungen bleiben in Takt.

P.S. Der slawische Akzent klingt übrigens wie im Deutschen auch auf Spanisch durchaus herrisch. Als Michael „La cuenta!“ zum Kellner rief (die Rechnung) stand ich automatisch mit Offiziersgruß aufrecht stramm.

 

 

 

News: Stargol für Goldstar

Stargol

Ich habe recherchiert und darf exklusive News verkünden, Mario Götze hat einen neuen Sponsor: Stargol. Der sympathische WM-Held hatte es satt, sich von Nike und deren Minisalär ausbeuten zu lassen. Keinen Bock mehr darauf, Adidas Pressekonferenzen in Nike-Shirts zu crashen und Schuhe sinnlos in die Kamera zu halten. Mit seinem lukrativen Goldstar-, äh Stargol-Vertrag hat er nun einen südamerikanischen Sponsor, der seine pure Ballkunst schätzt. Stargol möchte für dieses Entgegenkommen von einer Bezahlung absehen.

Ich persönlich würde mich extrem freuen, Deutschlands begnadetsten Fußballer wieder regelmäßig spielen zu sehen. Die leicht bewegliche Pappfigur könnte ein erste Schritt in diese Richtung sein.

 

Encarnation: Bad im Rio Parana

Vor viereinhalb Jahren war ich mal in Posadas. Das ist die argentinische Zwillingstadt zu Encarnation in Paraguay. Getrennt vom ewig breiten Rio Parana und  verbunden mit der Brücke Roque Gonzalez de Santa Cruz. Zum übersetzen nach Paraguay war ich damals zu erschöpft. Die beiden Städte schaukeln sich zu Höchstleistungen. In Posadas -habe ich sehr relaxed und etwas langweilig in Erinnerung- soll sich einiges getan haben. Jetzt besuche ich die Karnevalshochburg Encarnation und hier hat man tolles geschaffen:  Es ist eine Stadt zum Wohlfühlen. Den richtig geilen Stadtstrand, Abschnitt der Costanera, gibt es erst seit wenigen Jahren (2012), vermutlich zum 200-jährigen Staatsjubiläum (Bicentenario 2011). In diesem riesigen Fluss Rio Parana Baden, dazu ein Caipirinha, am Schluss ein fetter Sonnenuntergang mit der Skyline von Posadas – da bleibt kein Wunsch offen. Heute keine Witze.