Eines meiner unzähligen Interviews 🙂 Irgendwo Mitte des Textes sage ich, dass Brasilianer freundlich sind, ich schon mal quer durch Brasilien gereist bin und Rio moderner und schneller geworden ist.
O Globo ist der Medienkonzern Nr. 1 in Brasilien.
Eines meiner unzähligen Interviews 🙂 Irgendwo Mitte des Textes sage ich, dass Brasilianer freundlich sind, ich schon mal quer durch Brasilien gereist bin und Rio moderner und schneller geworden ist.
O Globo ist der Medienkonzern Nr. 1 in Brasilien.
So ab und zu ein Militärmuseum, das gehört in Südamerika dazu. Die haben auch immer geöffnet, währenddessen Kunstmuseen zu 50% geschlossen sind. „Forte de Copacabana“ heißt das Ziel, also eine Militärbasis mit öffentlichem Zugang. Die Anlage wurde 1914 fertig. Musste gleich mal nachschauen: Im zweiten Weltkrieg kämpfte Brasilien ab Herbst 1944 mit 25.000 Mann in Italien an der Seite der Aliierten. Zwei Jahre brauchte man, um die Truppe zusammenzustellen. Das überrascht mich nun gar nicht.
Die Geisteshaltung gegenüber Krieg ist immer wieder interessant: Während in Deutschland Krieg für Elend und Tod steht, steht in Südamerika Krieg meist für Stolz und Erfolg (außer bei den Ländern, die gar nichts gewonnen haben). Es wird den Militärpräsidenten gehuldigt, man schleicht durch den muffigen Bunker. Das Highlight: die Aussicht vom Bunkerdach. Da möchte man sich glatt eine Weile einkasernieren lassen.
Im Museum wurde eine Olympia-Pop-Art-Ausstellung aus dem Boden gestampft. Porträts erfolgreicher Sportler in Rio. Sie mündet in einem Selfie-Wahnsinn.
In Rio vom Fährhafen ablegen und los geht es in 20 Minuten nach Niteroi. Die Großstadt liegt gegenüber von Rio und es führt auch eine ewig lange Brücke hinüber. Ziel meiner Gier ist wieder einmal Architektur à la Oscar Niemeyer. Wie damals in Brasilia.
https://ingoamericano.com/2014/01/07/auf-gottlicher-achse/
Das berühmte Ufo-Museum für zeitgenössische Kunst steht dort wie gemalt. Dass ich dieses Gebäude mal selbst sehen und betreten darf, stimmt mich glücklich. Zuvor geht es den Niemeyer-Weg entlang. Hier landet man auf einem großen Platz, auf dem unter anderem das Theater steht. Außerdem skaten die Leute, angeln oder liegen nur rum. Ich lege mich dazu. Der Ausblick auf Rio ist gigantisch und der Opa des Mannes im Touribüro war Deutscher. Von Niteroi bin ich begeistert, obwohl Niteroi nicht gut riecht, so toll hätte ich mir das nicht vorgestellt. Und Fähre fahren macht ohnehin Spaß.
Ich bin meiner Zeit ja immer voraus. In diesem Falle vier Jahre. Japan und Tokio 2020 stellten sich in Rio vor. Das passt ja auch gut, weil in Sao Paulo und südlich davon durchaus viele Brasilianer japanisch-stämmig sind, so anderthalb Millionen. Die kamen in der ersten Hälfte des 20. Jhdts, oft durch Anwerbeabkommen. Das heutige Japan präsentiert sich in dem unfassbar monströsen Betonbau der Cidade das Artes. Die liegt wie eine Insel inmitten von Straßenringen. Für einen Fußgänger wie mich ist das, als ob man im Akkord über den Offenbacher Kreisel krabbeln müsste. Oder permanent den Mittleren Ring in München überqueren.
Ich habe es geschafft und die Japaner präsentieren sich durchaus bescheiden. Nicht umsonst sind auch ihre Journalisten mir die liebsten gewesen. Es wird (überraschend wenig) Technik vorgestellt, die Olympischen Anlagen, Tokio und viel Kultur. Beeindruckend die Essensaufbereitung als Lernmaterial für Nicht-Japaner. Das sieht ebenso vielversprechend aus wie das Manga-Merchandising. Karate soll 2020 auch Olympisch sein. Damit Japan ein paar Medaillen mehr gewinnt vermutlich.
Bei der Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass auch das offene Deutsche Haus in Leblon am Strand ganz fantastisch war und die Stimmung mit Live Übertragung und Tanzkurs großartig. Außerdem durften auch die Favela-Verkäufer ihre Getränke dort verkaufen, was ich besonders freundlich fand. Die werden sonst ja verbannt rund um Veranstaltungen. Mit Straßenverkäufern hätte die Verpflegung im Park und an den Sportstätten auf jeden Fall besser funktioniert als mit Coca Cola!
Aber zurück zu Japan:
zum Kennenlernen 2020: Geishas
Musikk gab’s auch – Brasilianische
Es heißt Abscheid von der Insel nehmen. 3 Tage Rio-Stadt warten. Jose, mein Host-Vater, will mir zuerst den Weg erklären, am Schluss packt er mich ins Boot und mit meinem mega-vollen Rucksack geht es ans Ufer. Dort steigen wir in seinen Pick-Up und er will mich zum Bus bringen. Dann fährt er mich gleich nach Ipanema. Ich lade in ein recht gutes Restaurant ein und wir nehmen stilecht eine Feijoada zu uns. Das brasilianische Nationalessen schlechthin. Ich mag Bohnen sehr, für mich also ideal. Bei der Rechnung bin ich wieder mal schockiert, Restaurants sind hier sehr viel teurer als in Deutschland, weiß der Kuckuck warum. Was soll ich sagen: die Inselwohnung war eher Dschungelcamp, die Liebenswürdigkeit der Leute paradiesisch.
Ich kann die Feijoada-Beschreibung direkt aus Wikipedia übernehmen. genau so wurde serviert.
Bei der Feijoada completa, die aus Brasilien stammt, werden die Bohnen mit Charque(Trockenfleisch), Räucherwürstchen, Zunge, Schweineohren und -füßen, Nelken, Lorbeer, ganzen schwarzen Pfefferkörnern, Knoblauch und Zwiebeln gekocht, dazu werden Reis, Farofa (geröstetes und angemachtes Maniokmehl), gedünsteter Couve mineira und Orangenscheiben (beruhigen den Magen, sagt Jose) sowie eine Molho da pimenta, eine pikante bis scharfe Pfeffersauce, serviert.
´´
Nun ist es vorbei, die letzten Mohikaner machen sich vom Rio-2016-Acker. Ich selbst bin sehr glücklich. Diesmal nicht, dass die Arbeit vorbei ist. Sondern, dass ich das alles erleben durfte. Wobei „alles“ aus rein sportlicher Sicht übertrieben ist. In Deutschland vor dem Fernseher kriegt man bedeutend mehr mit als im Pressezentrum. Ich wusste abends nie, wer von den Deutschen was gewonnen hat. Ich habe keinen einzigen Wettbewerb von vorne bis hinten geschaut, es sei denn ich war vor Ort. „Alles“ beinhaltet eben alles, wobei die Kollegen ein mehr als ebenbürtiges Highlight zum Sport waren. Eigentlich waren sie unterhaltsamer und liebenswerter sowieso. Ich war ja der europäische Exot.
Meine eigene sportliche Bilanz beinhaltet neben 30 Litern Bier, 10 Kilo Chips und 96 Botsfahrten einige Wünsche, die ich mir erfüllt habe:
Leichtathletik: Einen Zehnkampf anzugucken und morgens dabei im halbleeren Stadion abzuhängen; Usain Bold gab’s als Zugabe; Am meisten berührt hat mit Christophe Lemaitre bei der Ehrenrunde als er die Bronze über 200 Meter gewann; der konnte das gar nicht fassen und lief da alleine rum, weil die Medienmeute nur den Bold verfolgte
Turmspringen: schöne Sportart, man mus aber eine teure Karte kaufen, um gut zu sehen
Die Handballspiele waren sportlich ein Highlight und spannend. Topp!
Gewichtheben: ich wollte mich über die aufgepumpten in Männer und Frauen lustig machen. Den Post musst ich streichen. Die sahen alle fantastisch aus. Ich will auch Anabolika!
Hockey die Spieler sehen alle sehr gelackt aus, ist spannend und für mich unverständlich
Taekwondo, von mir aus (nicht mehr)
Golf: ich wollte Martin Kaymer mit „Mettmann“-Rufen anfeuern. Immerhin das Nummernschild meiner Schwester. Als ich die Karte hatte fiel die Runde ins Wasser wegen Regen. Pech gehabt.
Boxen: gefiel mir sehr, kann man gut mitgehen. Außerdem 10x mehr Funktionäre als Sportler anwesend.
Auf meiner kleinen Insel Ihla Primera erfüllen sich Träume. Nicht für mich, aber für andere. ich kann ja gönnen. Und wenn diese Menschen idealistisch sind, kommt dabei eine Bibliothek zustande mit einer Art Minivolkshochschule und angeschlossenem Flohmarkt. „Espaco Semear Biblioteca“ heißt das und ist gratis. Ein Café ist das Lädchen ebenfalls: Hier bekomme ich heißen Kaffee, den es in meinem Wohnloch nicht gibt. Und Kuchen mit heißer Schokoladensoße. Und ein Gespräch.
Im „Semear“ lernen Kinder und Erwachsene so allerhand über Geschichte, Sprachen, Literatur, am Tisch drinnen od er bevorzugt im Garten. Am schönsten sei es, wenn Eltern ihre Kinder abgeben, um etwas Ruhe zu haben, und irgendwann nimmt das Kind erstmals ein Buch und sitzt in der Ecke und liest es. Ich habe heute lange mit einem brasilianischen Journalisten gesprochen, der lustigerweise auch über den BRT-Schnellbus einen Bericht geschrieben hat, was ich auch machen werde. Mein Lieblingsplatz auf der Insel und ein schöner Akt der humanistischen Selbstverwirklichung.
Die Journalisten reißen es mir aus den Händen: das Omega-Buch. Omega, die Schweizer Uhrenmarke und ein Hauptsponsor der Olympischen Spiele. ich habe im Bus eine deutsche Volunteer kennengelernt aus dem Leichtathletikstadion. Die musste immer die Omega-Transponder vorbereiten, die zur Zeitmessung den Athleten angelegt waren. Der schwierigere Teil war, die Transponder wieder einzusammeln. Vor allem bei geschlagenen Athleten, vermutlich viele Deutsche, die als heulendes Elend rumsitzen. Oder von verletzen Athleten, die weggetragen werden und du rennst neben der Bahre und schreist „Transponder, Transponder“. Das eben gehört auch zu Omegas Produkten, neben den Protzuhren.
Das Buch ist eher Werbung, aber gut und teuer gemacht und außerdem Signal-rot. Ob deshalb die Kubaner Schlange stehen? Wegen Revolution und rot und so? Die Kubaner können gar nicht genug von dem Buch bekommen. Die kriegen eins, gehe weg, verkleiden sich und kommen wieder. Scheinen echte Leseratten, die Kubaner, sehr bewundernswert! In der Mitte des Buches ist das ganze Omega-Werk noch einmal auf eigeklebtem USB-Stick, eine schöne Idee. Eine Bildergalerie gibts in folgendem Galerie-Artikel.
Ein ganz großes Ding bei Olympischen Spielen ist Pin-Sammeln: von Ländern, anderen Olympiaden, Sponsoren. Wird bestimt auch bald Olympische Kernsportart. Ich hatte kurz einen „Bridgestone“ Pin, die Reifenfirma. Hab ihn verschenkt., wie leicht man andere Menschen erfreuen kann.
Ich erinnere mich, dass ich als Student mal bei der Pin-Sammel-Weltmeisterschaft in der Essener Gruga gekellnert habe. Ich hielt das Hobby damals schon für suspekt. Hier behängen sich die Menschen mit den Pins, zum Beispiel an den Akkreditationsbändern. Die Pin-Gier einiger Leute soll schon zu ernsthaften Verletzungen ihrer Nackenmuskulatur geführt haben. Ständig werde ich gefragt, ob ich Pins aus Deutschland hätte. Ich antworte immer: Ich bin ohne Pins glücklich. Dann sagen sie hier: Das ist das wichtigste.
Der Verkäufer mit verkaufsfördernder Mütze.