Wissenswertes über Mennoniten in Argentinien

Ich finde nun alles über die Mennoniten sehr faszinierend, sie verkörpen so viel (Wanderungs)Geschichte.  Vielleicht stehe ich mit diesem Interesse etwas alleine da.  Falls nicht: Es gibt gerade einen Film in der ZDF-Mediathek (und im Link einen Interview-Artikel von Deutschlandfunk Kultur) über Mennoniten in Argentinien.

Mennoniten in Argentinien

Gerne denke ich an meinen Besuch bei den Mennoniten in Paraguay zurück. Als ich unter anderem einer blonden Grundschulklasse im Chaco auf Deutsch Rede und Antwort stehen durfte. Die Menschen, die mir dort begegneten, waren im übrigen weitaus modernere Mennoniten. Die hörten Helene Fischer.

Mennoniten in Paraguay

 

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Frau Unger bitte in die Milchwarenabteilung!

Im klimatisierten, vollgestopften Mega-Supermarkt in Paraguay umherwandelnd steht auf einem Schild: „Bitte wiegen Sie die Bonbons in der Milchwarenfachabteilung ab!“ Du ahnst: Du bist in Filadelfia im Chaco, Nordparaguay. Ich kam um 5 Uhr morgens im Dunkeln mit dem Bus an und die Alki-Indianer-Prominenz der Stadt nahm mich fürsorglich in Empfang. Leider bin ich ausnahmsweise um diese Uhrzeit nüchtern.

Später statte ich den Mennoniten einen Besuch ab, die die Stadt begründeten. „Guten Morgen“ heißt es und ich bekomme eine Führung der Extraklasse durch die Museen der Stadtgründung, Naturkunde, Mennonitengeschichte allgemein und im Chaco speziell. Auch eine Klasse der deutschen Schule schaut vor den beginnenden Osterferien vorbei und ich darf ein paar Fragen beantworten. Zum Beispiel, weshalb ich gerade hier bin. Die Führung ist mega-kompetent und ich bin aufrichtig interessiert. Ich meine, wofür bin ich sonst die 8 Stunden Bus gefahren? Es wird Plattdeutsch gesprochen, das Hochdeutsch ist aber kein Problem und ich würde den Wortschatz der Museumsführerin auf die Top20% der deutschen Bevölkerung schätzen. Einen kleinen Akzent wie damals die Oma in der Dr. Oetker Werbung für russischen Zupfkuchen pflegen sie hier.

Die Kolonie Fernheim (Teil vom heutigen Filadelfia) wurde 1930 gegründet. Viele der ersten deutschstämmigen bzw. deutsche Kultur pflegenden Familien waren aus Russland, aber auch Polen, Deutschland und China übergesiedelt. Hier machte man unfruchtbares Land fruchtbar, zum Beispiel gediehen Erdnüsse gut. Mennoniten mussten, ja immer recht viel umsiedeln, zwangsweise. Jetzt, also 1930, flohen sein vor der bolschewistischen Revolution und Stalin. Wenn der Zug aus Russland das „Rote Tor“ nach Lettland, siehe Bild, durchfahren hatte, war man mehr oder weniger in Sicherheit. Deshalb diese symbolhafte Bedeutung dieses in Filadelfia nachgebauten Tores. In Deutschland keine Ikone, wird Hindenburg geschätzt, weil er die Flucht nach Südamerika unterstützte. So heißt die Hauptstraße in Filadelfia heute Hindenburgstraße.

Beim Besuch habe ich inzwischen das Gefühl, die Ureinwohner, verschiedene Indianerstämme, erobern sich ihre Gebiet bzw. die Stadt wieder zurück. Es erinnert fatal an Alice Springs in der Mitte und Wüste Australiens. In den Ecken kauern betrunkene und fertige Indianer (familien). So 100% wohl fühle ich mich deshalb in Filadelfia nie – auch wenn die Bewohner jeglicher Kultur alle ausgesprochen freundlich sind.