Verwunschene Orte: heute Strandclub

Da komme ich doch glatt an einem verfallenen Strandclub vorbei. ich liebe das zu fotografieren, wie der eine oder andere weiß. Man kann sich so viele Geschichten vorstellen, was alles los war an diesem Ort. Und jetzt: wie vom Blitz getroffen stehen gelassen und die Natur verleibt sich langsam alles ein.

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Drum krabbel ich aufs Gelände und beginne meine Fotomission. Ein Wachmann erscheint, ich besänftige ihn mit einem Obolus. Leider lässt der Wachmann das Tor auf, eine Familie kommt. Sie beschimpfen denn Wachmann als besoffenen Nichtsnutz, man hätte den Sachverhalt anders formulieren können, und die Stimmung ist im Arsch. Wachmann ruft Polizei (er tut zumindest so, ob er wirklich Guthaben hatte?), ich verzipfel mich schnell.

 

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Slumdog Fisherman

Das Wetter wird angenehmer am Rio Parana in Concepcion, die Angler stehen am Ufer Spalier. Fischen bzw. Angeln ist in dieser Gegend am Flussrand das Hobby schlechthin. Abgesehen vom Mopedfahren, bis zu vier Leute quetschen sich auf ein Gefährt und rauschen durch Gassen bzw. am Fluss entlang.

 

Während bei uns Flussufer meistens Luxuswohnung bedeutet, ist es hier das Gegenteil. Ich laufe damit direkt die äußere Slumstraße entlang. Alles sehr feucht und schmutzig. Es scheint, dass die mitunter kolonial angehauchten Bauten irgendwann mal ein  „normaler“ Vorort gewesen sind. Die Menschen, vermutlich mehr und weniger arm gemischt, sind auf jeden Fall unglaublich nett. Viele wollen fotografiert werden, fast alle winken und wenn sich von hinten ein Moped langsam nähert ist das nicht um den Rucksack zu klauen – wie in Buenos Aires. Dann sind die Mitfahrer einfach zu dick und das Gefährt kommt nicht mehr schneller vorwärts.

Viele Angler sitzen auf Boten, wem die gehören bleibt mir unklar. Ich unterhalte mich etwas, „Heil Hitler“ schallt es vom Boot, lange nicht gehört. Ich bemerke, dass es heutzutage in Deutschland „Hallo“ heißt. „Hallo Hitler“, ja, das ist viel besser. Ich muss mit den Anglern gegrillten Fisch essen. Dass der nebenan geangelt wurde, wo die Abwasser des Slums reinlaufen – auch geschenkt. Ich mag eh keinen Fische, der für mich schmeckt wie Straussenanus im Dschungelcamp. Muss ich durch im Sinne der Völkerverständigung. Die Menschen in Concepcion gehören zu den freundlichsten, die ich auf Reisen treffen durfte.

Flucht nach Concepcion

Zuerst wollte ich möglichst schnell in den Chaco, dann wollte ich möglichst schnell weg. Es regnet sintflutartig, die Straßen einzige Schlammgruben. Wobei der Donner nachts, vermutlich durch die freien Flächen der Natur, faszinierend grollt. Natürliches Süßwasser gibt es übrigens nicht im Chaco, man ist auf das Regenwasser angewiesen. Meinen geplanten Bus nach Bolivien kann ich wegen der Osterfeiertage ohnehin vergessen. Deshalb: Ausweg nach Concepcion, der Perle des Nordens.

Völlig durchnässt sitze ich im schäbigsten Bus ever. Es regnet rein, meine Socken dampfen. Meine Mitfahrerschaft ist der Altherrenknast auf Junggesellenabschied. So sieht es zumindest aus, eine Horde betrunkener Indianer, deren Alk-Ausdünstungen sich mit dem Urinduft der sich nicht schließen wollende Bustoilette vereint. Also, sogar das Kinderparfüm meiner Nichten, roch besser. Nach 6 Stunden erfolgt die Ankunft in Concepcion. Im weiterhin strömenden Regen will ein Taxifahrer seinen Reibach zu machen. Ich wünsche ihm nichts böses, er wird ohnehin bald das zeitliche Segnen. Wird er vorher noch seine Führerscheinprüfung ablegen? Noch älter als er ist sein Schrottauto, alles was man anfasst –man möchte das nicht freiwillig tun- fällt ab. Wir rumpeln und Stottern mit 20 km/h die Straße runter zum Hotel. Später weiß ich: ich hätte lieber im Taxi übernachtet. Dennoch: Ist Concepcion in der Regenpause nicht super-fotogen?